
Nach Inferno in den Alpen, Inferno im
Gerichtssaal: Rund zwei Monate sind
seit dem Kaprun-Unglück vergangen. Dabei
waren 155 Menschen ums Leben gekommen.
Jetzt haben Anwälte in den USA erste
rechtliche Schritte eingeleitet. Am Montag
werden in New York mehrere Klagen
eingereicht. In vorderster Front: US- Anwalt
Ed Fagan.
Lange Liste von Klägern und
Geklagten
Geklagt werden österreichische Firmen:
Waagner Biro, die Österreichische
Elektrizitätswirtschaft, die Swoboda
Karosserie- und Stahlbau Gesellschaft
m.b.H., die Gletscherbahnen Kaprun sowie
das US-italienische Unternehmen
Leitner. Die Vertreter der Kläger: US-Anwälte
der Kanzleien Kohn Swift und
Graf (Bob Swift und Martin D'Urso), Nagel
Rice Dreifuss und Mazie (Jay Rice und
Bruce Nagel), Fagan und Associates (Ed
Fagan) sowie der Münchener Advokat
Michael Witti.
Ed Fagan wollte zunächst keine näheren
Angaben über die Rechtsgrundlagen der
Klagen machen. Diese sollen erst in den
nächsten Tagen näher erläutert
werden, sagte er.
Fagan: "Opfer nicht fair
bewertet"
"Der Fall von Kaprun bietet Österreich
eine Gelegenheit, seine
Schadenswiedergutmachens-Bestimmungen
zu ändern", sagte Ed Fagan. Diese
hätten
bestimmte Defizite: Bestimmte Ansprüche der
Mehrzahl der Opfer werden
"nicht fair bewertet und
kompensiert". Dies sei einer der Gründe,
warum diese Fälle vor US-Gerichten
eingebracht wurden und auch in Zukunft
werden, wie Fagan ankündigte.
Tunnel und Zug unsicher
Der Fall Kaprun zeigt die Unterschiede
zwischen dem europäischen und dem
amerikanischen Rechtssystem. Ein völlig
anderes Konzept der Bewertung
menschlichen Lebens ist augenscheinlich.
"Der Tunnel war unsicher. Der Zug
war unsicher. Und weder der Tunnel noch der
Zug hätten in Betrieb sein
sollen", sagte Jay Rice, ein weiterer der
Klagsvertreter. In Kaprun sei möglicherweise
nicht der einzige gefährliche Tunnel oder Zug
in Österreich, ergänzte er.
Eines der wichtigsten Ziele dieses
Rechtsfalles sei es sicherzustellen, dass
ähnliche
Tragödien nie mehr passieren könnten.
Verantwortliche haftbar machen
Ähnlich äußerten sich die Kläger. Sie haben
bei der Tragödie am 11.
November 2000 in der Tunnelröhre der
Kapruner Standseilbahn auf das
Kitzsteinhorn Angehörige verloren. "Da
gibt es viele andere solche Züge
und Tunnels in Österreich, denen der Betrieb
verboten werden sollte, bis sie
sicher gemacht worden sind", sagten
John S. Habblett und seine Frau
Suzanne. Vier Angehörige des Paares kamen
in den Flammen um. "Die
Verantwortlichen müssen zur Verantwortung
gezogen und haftbar gemacht werden für
das, was sie uns und den anderen Opfern
angetan haben", sagte Rudy Kern,
dessen Sohn Erich getötet wurde.
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Gletscherbahnen Kaprun: Keine Ergebnisse - dafür Klagen Als "völlig unverständlich"
bezeichnet Harald Schiffl die
Klage von Ed Fagan. Der Pressesprecher
der Gletscherbahnen Kaprun:
"Es gibt überhaupt noch kein
Untersuchungsergebnis, geschweige denn
ein Gutachten." Der Vorstoß von
Fagan und den anderen Anwälten ist
nicht nachvollziehbar. Außerdem erklären
die Gletscherbahnen stehen sie
dazu, dass sie eine Haftung
übernehmen. |