"profil": Kaprun: Nicht genehmigter Einbau von Holzplatten

Sachverständige schließen Lagerschaden aus - nicht genehmigte Holzeinbauten waren Seilbahn AG bekannt.

Wie das Nachrichtenmagazin "profil" unter Berufung auf den Gerichtsakt berichtet, wird die Verantwortlichkeit für die Seilbahnkatastrophe am Kitzsteinhorn, bei der am 11. November des Vorjahres 155 Menschen ums Leben kamen, immer deutlicher: Mit Wissen der gesamten Kollegenschaft sowie der Betriebsleitung der Seilbahnen Kaprun AG, hat ein Mitarbeiter 1995 in unmittelbarer Nähe des Heizlüfters in den Führerkabinen der Seilbahn-Züge Holzplatten eingebaut, die die Zugluft während der Fahrt lindern sollten. Diese ohne Genehmigung eingebauten Holzplatten seien von unten her gut sichtbar gewesen und hätten daher auch von den Beamten gesehen werden müssen, die 1997 eine TÜV-Überprüfung durchgeführt haben. Dabei gab es jedoch keine Beanstandungen.

Mittlerweile wurden auch die alternativen Thesen zur Unfallursache - Lagerschaden und Schienenzangenbremsen - offiziell ausgeschlossen.

Rückfragehinweis: "profil"-Redaktion
      &nbs p;      &nb sp;    Tel.: (01) 534 70 DW 2501 und 2502


Brandschutz der Kapruner Stollenbahn wurde nicht überprüft

Verkehrsministerium verließ sich auf TÜV - TÜV fühlte sich nicht zuständig

Salzburg - "Bei der letzten großen Kontrolle der Gletscherbahnen Kaprun (GBK) im Jahr 1997 wurden Brandschutzeinrichtungen nicht überprüft. Nur die Technik der Anlage wurde kontrolliert." Das schreiben die "Salzburger Nachrichten". Dem Zeitungsbericht zufolge war der mit der Prüfung beauftragte TÜV der Ansicht, die Überwachung der Brandschutzvorschriften sei Sache der Behörde. Das Verkehrsministerium wiederum verließ sich auf den TÜV.

Um Abhilfe gegen extreme Zugluft in den Führerständen der Gletscherbahn zu schaffen, waren in die Standseilbahngarnituren bald nach der Generalüberholung 1994 Holzbretter eingebaut worden. Dies haben die Gletscherbahnen Kaprun fünf Monate nach der Brandkatastrophe vom 11. November 2000 eingeräumt.

"Keine illegalen Umbauten"

Gleichzeitig wurde darauf verwiesen, dass es "keine illegalen Umbauten" gegeben habe. Ob diese Einbauten erlaubt seien, wurde aber bei der Eisenbahnbehörde des Verkehrsministeriums laut SN "offenbar nicht gecheckt": "Die Gletscherbahnen Kaprun haben nichts beantragt und auch nichts gemeldet. Wir haben davon nichts gewusst", wird Ministerialrat Horst Kühschelm zitiert.

"Die 20 mal 30 Zentimeter großen Lärchenplatten und das zugehörige Dämmmaterial dürften zwar mit der Brandkatastrophe wenig zu tun haben. Die eingebauten Bretter zeigen jedoch, wie unzureichend das behördliche Kontrollsystem ist", schreibt die Tageszeitung.

"Kaprun"-Anfrage an Wirtschaftsminister

Unmittelbar nach der Brandkatastrophe von Kaprun eilten auch Spitzen der Bundesregierung an den Unglücksort und versprachen der Region Hilfe, vor allem auch in finanzieller Hinsicht. Der SPÖ-Abgeordnete Emmerich Schwemlein kritisierte heute, Freitag, in einer parlamentarischen Anfrage an den Wirtschaftsminister, dass "die versprochenen 14,4 Millionen Schilling nie in der Pinzgauer Gemeinde angekommen sind", und will unter anderem wissen, "wann die Zahlungen in zugesagter Höhe ausbezahlt werden".

Schwemlein begehrt weiters Auskunft darüber, wie zu erklären sei, dass anstelle zweistelliger Millionenbeträge lediglich 3,7 Mill. S geflossen seien, welche Maßnahmen geplant sind, um Kaprun wieder auf den Standard vor dem Tunnelunglück zurückzuführen, und welche Vorschläge es gibt, dem Nächtigungsrückgang von 20 Prozent entgegenzuwirken. Die Anfrage umfasst insgesamt elf Punkte, die sich nicht allein um Geldfragen drehen. So heißt es unter Punkt zehn: "Wie sehen Sie die Tatsache, dass Angehörige der Opfer im Gegensatz zu Politikern nicht zu Gedenkfeiern eingeladen wurden?"

Information Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie

 &nbs p; Wien (OTS) -Im Zusammenhang mit verschiedenen Pressemeldungen der letzten Zeit stellt das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie  fest, dass die Kontrollmaßnahmen bezüglich der Seilbahnen aus einem vernetzten System von Sicherheitschecks durch Behörden, Betreiber und akkreditierte Prüfstellen beruhen, die internationalem Standard und der Vorschriftenlage entsprechen und grundsätzlich zur hohen Sicherheit der österreichischen Seilbahnen beigetragen haben.

   Aus Anlass der Ereignisse in Kaprun wird gemeinsam mit Fachexperten überlegt, ob und zutreffendenfalls welche Adaptierungen der Vorschriftenlage allenfalls erforderlich werden. Ein erster Zwischenbericht der internationalen Expertenkommission kann voraussichtlich Anfang Juni vorgelegt werden.  (Schluß) *****

   Rückfragehinweis: Mag. Arnold Schiefer (BMVIT)
      & nbsp;             &nbs p; Tel.: 0664/5166268

 

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