seilbahn.net | Themenbereiche | Pisten | 2020-03-26

Allegra: Was wir über die Zielgruppe der Mountainbiker oft vergessen

Beim Thema Mountainbike-Tourismus dreht sich alles um das Mountainbiken und das Mountainbike selbst. Was ist falsch daran? Der Mountainbiker selbst, der zentrale Faktor Mensch, ist vor lauter «MTB» ganz vergessen gegangen. Diese Zielgruppe, die Mountainbiker, wollen wir nun etwas genauer anschauen und wir gehen auf die drei häufigsten Einschätzungs-Überlegungsfehler ein.

Tourismuskonzepte und Mountainbike-Destinationen funktionieren, wenn wir am Schluss einen zufriedenen Mountainbike-Gast haben. Deshalb ist es lohnenswert, sich mit dieser Zielgruppe im Detail zu befassen. Früher dachte man beim Mountainbiker an einen Teenager, einen Punk, der querfeldein durch die Gegend jagt. Und kein Geld hat. Eine absolut unattraktive Zielgruppe. Dieses Vorurteil hat sich inzwischen gelegt und man hat das Potenzial des Mountainbikers erkannt. Einige Destinationen in den Alpen, haben entsprechend ein sehr gutes Angebot erstellt. Viele haben sich das Mountainbiken «auf die Fahne geschrieben». Dabei ist es aber geblieben. Das Angebot spricht die Zielgruppe nicht an. Andere Regionen fragen sich, ob sich der Einstieg in den Markt überhaupt noch lohnt oder der Mountainbike-Kuchen nicht schon verteilt ist. Wir von Allegra sagen: «unbedingt!». In den Alpen existieren etwas über 1'300 Skigebiete. Ohne die Kleinsten, welche über nur fünf Kilometer Piste verfügen, sind es immer noch 650. Diese alle leben gut vom Skimarkt. Und jetzt kommt’s: Der Skimarkt ist im Vergleich zum Mountainbike-Markt viel kleiner. Die wenigsten Destinationen haben weder ein Mountainbike-Angebot entwickelt noch Mountainbike-Tourismus als Priorität in der Strategie definiert. Das Potenzial ist ergo weiterhin enorm gross. Angenommen das Potenzial des Mountainbike-Gastes ist erkannt, so wird die Zielgruppe immer noch gerne falsch eingeschätzt aufgrund von simplen Überlegungsfehlern.

Der Stadt-Biker

Wenn wir uns den Mountainbiker vorstellen, sehen wir einen Sportler, welcher in die Berge reist um zu Mountainbiken. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass die meisten den Sport von zu hause aus betreiben. Mountainbiken findet heute – erst recht gemessen an der Zahl der Ausübungstage – mehrheitlich rund um die Ballungszentren statt, wo die meisten Mountainbiker wohnen. Viele üben diese Leidenschaft als Abendsport aus und unternehmen gelegentlich mit dem Rad Tagesausflüge. Aber die meisten Mountainbiker machen keinen expliziten Mountainbike-Urlaub. Diese Gruppe müssen wir für die Berge erst noch gewinnen. 

Der Normalo-Biker

Auch in alpinen Destinationen denken wir unbewusst in der Innenperspektive. Wir wollen Angebote für Mountainbiker schaffen, welche wir in den Bergen sehen. Diese Zielgruppe fühlt sich von unserem Angebot jedoch bereits angesprochen, deswegen ist sie präsent. Wenn wir aber das Potenzial abschöpfen wollen, dann empfiehlt sich insbesondere die Devise der Einfachheit bei den Angeboten um die Hemmschwelle zu senken in die Berge zu reisen – und zwar auf drei Ebenen:

Einfachheit beim Zugang

Es muss für den Kunden einfach realisierbar sein von zu hause aus in eine Destination zu gelangen um das Mountainbiken zu praktizieren. Zum Beispiel soll die Anreise bis zu den Trails effizient und komfortabel erfolgen können. 

Einfachheit bei den Trails

Im zweiten Schritt soll es Interessierten relativ einfach gemacht werden in den Sport einzusteigen. Damit ist nicht gemeint, dass der Sport für jedermann geschaffen werden soll. Aber wir sollten uns den Kunden vor Augen führen, der Mountainbiken nicht als zentralen Sport gewählt hat, sondern als ergänzendes Hobby. Dieser ist zwar sportlich, koordinativ begabt und verfügt allenfalls sogar über ein vollgefedertes Mountainbike inklusive Helm und Bikeschuhe. Aber vermutlich trägt er ein Sport-Shirt, das er sonst auch beim Wandern oder beim Joggen an hat. Dasselbe gilt für seinen Rucksack. Wenn es gelingt, die Angebote einfacher zu gestalten, dann können wir auch diesen Mountainbiker für uns gewinnen. 

Einfachheit in der «Customer Journey»

Es muss für den Mountainbike-Kunden einfach sein, sich entlang der Erlebniskette zu bewegen und ein tolles Mountainbike-Erlebnis mitzunehmen. Es darf zum Beispiel nicht sein, dass aufgrund eines Defekts am Sport-Gerät ein ganzer Ferientag Flöte geht. Hier trennt sich bei den Tourismus-Regionen Weizen von Spreu.

Der «No Label»-Biker

Die Industrie schlägt mit Begriffen um sich und in Mountainbike-Medien werden wir damit ebenfalls konfrontiert: Downhill, Freeride, Enduro, Allmountain, Cross-Country, Marathon, Tour, Trail, Flow, etc. Es stellt sich die Frage, ob es sich bei diesen Etiketten um die Einteilung von Mountainbikern oder Mountainbike-Produkten geht. Wie auch immer – die Mehrheit der Mountainbiker kann mit diesen Labels wenig anfangen, geschweige denn einschätzen, was ihnen entspricht. Ein touristisches Angebot danach zu strukturieren, ist somit nicht zielführend bei der Ausrichtung auf die breite Masse der Mountainbiker. Ein Kunde, welcher benennen kann «Ich bin ein Enduro-Biker.» oder «Ich bin eher Trail.», dieser Kunde hat das Mountainbiken als zentrales Hobby gewählt. Er ist ein interessanter Klient, weil er über einen grossen Multiplikationseffekt in seinem Umfeld verfügt. Gleichzeitig muss man sich bewusst sein, dass dieser zur Minderheit im Mountainbike-Markt gehört. Zweifel? Dann nehme man ein «Special Interest»-Medium, zum Beispiel ein Mountainbike-Magazin und dividiere die Zahl der Leserschaft mit der Anzahl Mountainbiker im entsprechenden Land. Höchstwahrscheinlich resultiert dies  in einer einstelligen Prozentzahl. Die Mountainbike-Szene ist für den Tourismus essenziell. Aber man darf diese nicht mit dem ganzen Mountainbike-Markt verwechseln.





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