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seilbahn.net | Themenbereiche | Seilbahnen | 2014-05-12

Meilenstein am Stubaier Gletscher

Die Planungen laufen auf Hochtouren: Ab Herbst 2016 soll die neue 3S Eisgratbahn mit einer Investitionssumme von 50 Millionen Euro den Gästen einen deutlich höheren Komfort bieten.

Der laufende Behördenkontakt ist Standard bei der Planung neuer Anlagen. Gesetze und Verordnungen schaffen Orientierung und  Planbarkeit im Verfahren. Weitaus schwieriger erweist sich oftmals das politische Spielfeld. Obwohl im Genehmigungsverfahren festgestellt wurde, dass keine Umweltverträglichkeitsprüfung für die neue 3S Eisgratbahn notwendig ist, fehlt noch ein wesentliches Element. Durch die Verlegung der Talstation wird das Landschaftsschutzgebiet am Rand von der Seilbahntrasse berührt.  „Die Tiroler Landesregierung ist für die Verlegung der Schutzgebietsgrenzen zuständig. Ohne die Zustimmung der Politik kann uns die Behörde für das Projekt keine naturschutzrechtliche Genehmigung erteilen“, erklärt Reinhard Klier, Vorstandsvorsitzender der Wintersport Tirol AG.

Die Vorarbeiten und Genehmigungsverfahren laufen seit drei Jahren. Am Zug ist nun die zuständige Landesrätin Ingrid Felipe und deren Regierungspartner. Das Projekt ist zwar im Koalitionsübereinkommen der Parteien enthalten, am Stubaier Gletscher wird allerdings sehnsüchtig die Zustimmung aus dem Landhaus erwartet. „Ich hoffe, dass unser Anliegen nicht weiter verzögert wird“, betont Klier. Auch die Gemeinde Neustift sowie der TVB Stubai Tirol deponierten bei den politisch Verantwortlichen die Wichtigkeit der neuen Zubringerbahn. Die Verlegung der Talstation stellt eine betriebliche Notwendigkeit dar.

Resistent gegen Windspitzen
Die  abgelaufene Wintersaison beweist die Notwendigkeit, die bestehende Bahn am Eisgrat zu ersetzen. „Wir hatten seit Oktober sieben Sperrtage aufgrund von Wind und Sturm. Mit der 3S Eisgratbahn hätte sich diese Anzahl auf zwei reduziert. Im Fall, dass wetterbedingt nur die neue Anlage laufen könnte, würden unsere Gäste bereits ein ansprechendes Pistenangebot vorfinden“, erläutert Klier. Außerdem ließen sich verfrühte Abreisen von Urlaubern eindämmen, was auch die Stubaier Touristiker erfreuen dürfte.

Zum Vergleich: Der existierenden Anlage machen bereits Windspitzen von 60 km/h zu schaffen, die neue Bahn steckt dies bis zu 100 km/h locker weg. „Bei Extremsituationen sollte es möglich sein, dass selbst bei 130 km/h die Betriebsbereitschaft aufrechtzuerhalten ist und eine rasche Entleerung erfolgen kann“, ergänzt Reinhard Klier.

Höherer Komfort und bessere Auslastung im Skigebiet
Zusätzlich zum Aspekt der Windstabilität schraubt die neue 3S Eisgratbahn das Servicelevel für Wintersportler deutlich nach oben. Dies beginnt schon in der Talstation: Die Zeiten der Pendelbusfahrten zur Zubringerbahn sollen der Vergangenheit angehören und die Wege für die mit Skiausrüstung vollbepackten Gäste verkürzen sich massiv. Die Talstation der neuen Eisgratbahn ist inmitten der großen Parkplätze geplant und rückt damit talauswärts. Sowohl in die Station als auch in die Gondeln gelangt man vom mittleren Parkdeck ebenerdig und ohne Stufen, die Verbindung zwischen unterer Parkfläche und Einstieg wird mit einer Rolltreppe erschlossen.

Statt den bekannten 6er-Gondeln bietet die neue Eisgratbahn künftig Platz für 32 Personen mit 24 Sitzplätzen. „In der Talstation sollten sich alle Sitzplätze füllen und in der Mittelstation können dann noch weitere Fahrgäste zusteigen“, skizziert Vorstandsvorsitzender Klier. In der aktuellen Konstellation ist es zu Spitzenzeiten so, dass die kleineren Gondeln über mehrere Stunden voll besetzt bis zur Bergstation fahren und keine Zustiegsmöglichkeit an der Mittelstation besteht. Dies verhindert Wiederholungsfahrten auf den attraktiven Strecken Falwesuna und Silberschneid, die zu den beliebtesten Pisten am Stubaier Gletscher zählen.
An Allerheiligen, ohne geöffnete Verbindung ins Tal, treten die längsten Wartezeiten auf. Mit der neuen Anlage versprechen sich die Verantwortlichen der Wintersport Tirol AG eine massive Verkürzung der Wartezeiten für alle Besucher. 

Die frei werdenden Flächen in der bestehenden Talstation sollen künftig als Lagerplätze und Büros  genutzt werden. „Wir gewinnen dort nicht viel Fläche, da der Zugang vom Skiweg zur Station der Gamsgartenbahn erhalten bleiben muss. Beide Zubringerbahnen in das bestehende Gebäude zu integrieren hätte unser Ansinnen nach mehr Komfort und schnelleren Abläufen ad absurdum geführt“, hebt Klier hervor.

Herausfordernde Bauphase
Die eigentliche Umsetzung des Projekts ist in den Sommermonaten 2015 und 2016 geplant. Bei der rechtzeitigen Zustimmung von politischer Seite könnten heuer noch wichtige Vorarbeiten (Zufahrtsweg Mutterberg bis zur Mittelstation, Kabelverlegung) durchgeführt werden. In den beiden Folgejahren gilt es das kurze Zeitfenster von Ostern bis Allerheiligen zu nutzen, um sowohl die Hochbauarbeiten zu realisieren als auch die Seilbahnmontage in Angriff zu nehmen. Die Trasse der Bahn bleibt bis auf die vorgelagerte Talstation identisch. Bei der Mittelstation erfolgt ein Zubau, die Bergstation wird für die neue 3S Eisgratbahn adaptiert. „Für unsere Partner und uns könnte 2016 ein spannendes Jahr werden. Denn es gilt innerhalb weniger Monate sämtliche Anlagenteile abzutragen und die neue Bahn zu installieren“, erklärt Klier.

50 Millionen Euro für 3S Eisgratbahn
Ein deutlich höheres Maß an Komfort und die Ausfallssicherheit bei Wind rechtfertigen die größte Investition in der Unternehmensgeschichte in Höhe von 50 Millionen Euro. „Unsere Mitbewerber haben in windsichere Bahnen investiert und gezeigt, dass es sich lohnt. Schlussendlich sind die Zubringerbahnen das Rückgrat jedes Skigebiets“, unterstreicht Reinhard Klier die Bedeutung des Projekts.

Alle Facts zur neuen 3S Eisgratbahn
Die vom Südtiroler Unternehmen „Leitner Ropeways“ geplante Anlage gilt weltweit als erste 3S Eisgratbahn mit einer Mittelstation und einem Direktantrieb. Gegenüber der 1972 errichteten Vorgängerbahn verdoppelt sich die Beförderungsleistung auf 3.000 Personen pro Stunde, die Fahrgeschwindigkeit beträgt 7 m/s. Mit einem Volumen von bis zu 300 m³ nehmen die Stützenfundamente im Vergleich zur bestehenden Bahn beachtliche Ausmaße an. Die Gondeln mit Raum für 32 Personen (24 Sitz- und 8 Stehplätze) wiegen jeweils 2,5 Tonnen. Die 3S Eisgratbahn verfügt über zahlreiche Sicherheitsinstanzen, dass eine geregelte Entleerung selbst bei einem Lager- oder Motorbruch möglich ist.

Bild- und Textnachweis ©Stubaier Gletscher/Polak Mediaservice



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