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seilbahn.net | Themenbereiche | Seilbahnen | 2016-12-30

Garaventa: Neue Standseilbahn auf historischem Trassee

Sie ist 206 Meter lang und der wohl wichtigste Lebensnerv im System des öffentlichen Verkehrs von Lugano. In den letzten zwei Jahren wurde die seit 1886 in Betrieb stehende Standseilbahn total erneuert. Geblieben ist ihre grosse urbane wie auch touristische Bedeutung als Verbindung zwischen dem Stadtzentrum und dem Bahnhof von Lugano.

In den grossen Städten dieser Welt kommen immer mehr urbane Seilbahnanlagen für die Lösung von Mobilitätsproblemen zum Einsatz. Ein Problem, welches die Stadt Lugano offenbar bereits im vorletzten Jahrhundert erkannte und im Jahr 1886 mit einer Standseilbahn löste, die seither die Altstadt von Lugano mit dem Bahnhof verbindet.

Wie wichtig diese Standseilbahn ist, zeigt die Tatsache, dass bis zu Beginn ihres Umbaus im Jahr 2014 jährlich weit über zwei Millionen Passagiere einem der beiden Fahrzeuge zugestiegen sind. Schweizweit bedeutete diese Zahl von beförderten Personen bei Standseilbahnen bis zur Eröffnung der «Skymetro» im Flughafen Zürich-Kloten mit grossem Abstand ein Rekord.

Massgeschneiderte Fahrzeuge
Die grosse Erfahrung bei der Umsetzung komplexer Standseilbahnprojekte und die Tatsache, dass Garaventa die alte Anlage schon seit Jahren betreute, waren bei der Auftragsvergabe durch die Trasporti Pubblici Luganesi SA (TPL) ein wichtiges Entscheidungskriterium. In der Folge wurde Garaventa mit der gesamten Projektierung, dem Engineering, der Lieferung und Montage der kompletten elektromechanischen Ausrüstung sowie der beiden Fahrzeuge beauftragt. Die Lichtraumprofile der beiden Tunnels, die engen Platzverhältnisse zwischen den Häusern sowie entlang der Kathedrale von Lugano liessen wenig Spielraum zu. Dies führte unter anderem dazu, dass es sich bei den beiden neuen Fahrzeugen um eine Massanfertigung handelt. Um die gewünschte Förderleistung zu erreichen, musste die Fahrzeugkapazität von 75 auf neu 100 Personen pro Fahrzeug erhöht werden.

Redundanter Betrieb
Bei der Eröffnung im Jahre 1886 war die Standseilbahn die erste Anlage mit einer sogenannten Abt’schen Ausweiche. Das von Roman Abt entwickelte System mit dem doppelten Spurkranz bei den äusseren Rädern und einer flachen Walze bei den inneren Rädern hat sich durchgesetzt und ist bei Standseilbahnen zum Standard geworden. Bedingt durch die längeren Fahrzeuge, mussten die Ausweichstelle und die Perrons bei der Tal- und der Bergstation neu gestaltet werden. Ausgestattet ist die neue Standseilbahn sowohl mit einem Doppelantrieb als auch einer doppelten Steuerung, was die Redundanz des Betriebes sicherstellt. Der Antrieb für die Standseilbahn befindet sich nach wie vor bei der Bergstation im Bahnhof Lugano direkt auf der Ebene der Geleiseunterführungen. Die Arbeiten an der Bergstation mussten exakt auf die Umbauarbeiten am SBB-Bahnhof abgestimmt werden. Mit der Wiedereröffnung der neuen Standseilbahn am 11. Dezember 2016, pünktlich auf den Fahrplanwechsel, haben die Bewohnerinnen und Bewohner von Lugano die für sie sehr wichtige Verbindung zwischen Stadtzentrum und Bahnhof zurück erhalten. Die Standseilbahn Lugano Piazza Cioccaro – Lugano Stazione FFS nimmt neben der urbanen auch eine wichtige touristische Funktion ein und ist vor allem eines: ein verlässliches Transportmittel.

Technische Daten
Auftraggeber: Trasporti Pubblici Luganesi SA
Schräge Länge: 206 m
Höhenunterschied: 50 m
Fahrgeschwindigkeit: 3,0 m/s
Förderleistung: 2240 Pers./h
Fahrzeuge: 2 Standseilbahnwagen für je 100 Personen
Seildurchmesser: 25 mm
Wagenlieferant CWA
Seillieferant: Fatzer
Steuerungslieferant Sisag






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