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seilbahn.net | Themenbereiche | Wirtschaft | 2017-06-02

Wintersaison 16/17: Bündner Bergbahnen weiterhin gefordert

Viel Sonnenschein, wenig Niederschlag, frühlingshafte Temperaturen und der starke Franken forderten die Bündner Bergbahnen erneut. Trotz einer leichten Steigerung der Gäste um 0.5 Prozent und des Verkehrsertrags um 2.7 Prozent gegenüber dem Vorjahr fällt die Bilanz der Wintersaison 2016/17 ernüchternd aus. Die Herausforderungen der Branche bleiben gross.

Die Diavolezza beendete am 21. Mai als letztes Bündner Skigebiet die Wintersaison 2016/17. Eine herausfordernde und schwierige Saison, wie das Monitoring der Branchenorganisation Bergbahnen Graubünden zeigt. Die Bündner Bergbahnunternehmen verzeichneten im Winter 2016/17 eine leichte Zunahme der Gäste von 0.5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, dem schlechtesten Winter der letzten 15 Jahre. Dies entspricht rund 30‘000 Ersteintritten bzw. Gästen. Im Vergleich zum repräsentativeren Fünfjahres-Durchschnitt (-7%) oder dem 9-Jahres-Durchschnitt (-14%) relativiert sich dieses Ergebnis aber deutlich. Der Transportumsatz nahm im Winter 2016/17 gegenüber dem Vorjahr zwar erstmals seit dem Winter 2012/13 wieder zu (+2.7%), im Vergleich zum Fünfjahres-Durchschnitt liegt er aber 7.4 Prozent oder rund 13.5 Mio. Franken zurück. Im Bereich der Gastronomie steigerten die Unternehmen den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 4.2 Prozent.

Die Gründe sind offensichtlich. Zum einen macht der starke Schweizer Franken der Tourismuswirtschaft nach wie vor zu schaffen und zum anderen war der Winter 2016/17 zum dritten Mal hintereinander von Wetterkapriolen geprägt, welche die sehr wettersensitive Bergbahnbranche stark beeinflussten. Gemäss dem Schnee- und Lawinenforschungsinstitut Davos (SLF) geht der Winter 2016/17 als schneeärmster in die Geschichte ein. Die Bündner Skigebiete freuten sich Mitte November über die reichlichen Schneefälle. Doch die Freude währte nicht lange: Die anschliessende Föhnphase liess den Schnee innert Wochenfrist schmelzen. Was dann folgte war der trockenste und schneeärmste Dezember seit Messbeginn. Glücklicherweise ermöglichten die Temperaturen, im Gegensatz zum letzten Jahr, das technische Beschneien. So gelang es zumindest einem Grossteil der Bündner Skigebiete auf die äusserst wichtigen Festtage ein umfangreiches Pistenangebot bereit zu stellen. Hart traf es abermals die Unternehmen ohne Beschneiungsinfrastruktur. Sie mussten zum zweiten Mal in Folge Weihnachten/Neujahr ohne Schnee bestreiten. Trotz innovativen Ideen und Angeboten konnten die Ertragsausfälle nicht kompensiert werden. Im Weiteren war der Winter von viel Sonnenschein geprägt, der die Unternehmen Ende Februar noch auf einen versöhnlichen Winterabschluss hoffen liess. Leider wurden die Hoffnungen nicht erfüllt. Zu warme Temperaturen und Regenfälle liessen den schon spärlich vorhandenen Schnee schnell schmelzen. Zudem motivierten die frühlingshaften Temperaturen im Mittelland und der späte Ostertermin nur noch Wintersportfans zu Ausflügen nach Graubünden.

Der dritte herausfordernde Winter in Folge sowie die Frankenstärke werden bei den Bündner Bergbahnunternehmen Spuren hinterlassen. Die Unternehmen sind stark gefordert. Einerseits gilt es zu optimieren und nach Wegen zu suchen, wie künftig noch kostengünstiger produziert werden kann und andererseits gilt es darauf zu achten, die notwendigen Erneuerungen und Ersatzinvestitionen nicht zu vernachlässigen und den Qualitätsstandard zu halten, da sonst die Wettbewerbsfähigkeit leidet. 

Fazit des Präsidenten:

Der Winter 2016/17 hat erneut deutlich gezeigt, wie wichtig die Beschneiung für die Bergbahnen, aber auch für alle Leis-tungsträger (Hotellerie, Parahotellerie, Gastronomie, Handel und Gewerbe) in den Destinationen ist. Der Gast kommt im Winter primär um Schneesport am Berg zu betreiben und nicht um Alternativprogramme zu geniessen. Dies macht ein Vergleich der Entwicklung von Gästen und Erträgen bei den Unternehmen mit und ohne Beschneiung deutlich. 

Wenn die öffentliche Hand die Tourismuswirtschaft und insbesondere die Bergbahnen fördern bzw. unterstützen möchte, dann tut sie dies am besten über das Optimieren von Rahmenbedingungen (Deregulierungen, Reduktion von Abgaben, effizientere Verfahren etc.). Mittel oder Töpfe zur finanziellen Förderung sind genügend vorhanden. Es fehlt primär am Willen der Verwaltung und Politik Bestehendes (Gesetze, Verordnungen, Richtlinien, Planungen etc.) zu überdenken und Verantwortung für Entscheide zu übernehmen. 

Die Bergbahnbranche ist von einem Verdrängungswettbe-werb geprägt. Die aktuellen Preisstrategien einzelner Unternehmen, sind vor dem Hintergrund, dass nur noch ein Drittel der Schweizer Bergbahnunternehmen genügend Mittel erwirtschaften um die notwendigen Ersatzinvestitionen zu tätigen, brandgefährlich. Was den Kunden freut, kann sich für die Unternehmen und die Branche ruinös auswirken. Die Branche ist daran den Strukturwandel selber zu beschleunigen. 



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