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seilbahn.net | Themenbereiche | Wirtschaft | 2018-04-11

Arbeiterkammer Salzburg: Seilbahnwirtschaft ist top

Mehr als 20 Prozent des Salzburger Regionalprodukts werden mittlerweile durch Tourismus- und Freizeitbetriebe generiert, Innergebirg ist dieser Anteil noch weit höher. Der Seilbahnwirtschaft kommt für den Tourismus eine herausragende Bedeutung zu, denn die mit der Seilbahnnutzung verbundene touristische Aktivität ist besonders im Winter die absolut dominante Aktivität und gewinnt auch im Sommer immer mehr an Bedeutung. Nur ein Fünftel der Umsätze in den Wintersportgebieten entsteht bei den Seilbahnen, deutlich stärker profitiert das Beherbergungswesen, ähnlich stark die Gastronomie. Die enorme regionalwirtschaftliche Bedeutung der Seilbahnen zeigt sich auch an den Investitionen. Landesweit wurden von den Seilbahnen in den letzten 10 Jahren fast 1,2 Milliarden Euro investiert. In der Region Pinzgau-Pongau floss 2015 nahezu jeder vierte investierte Euro in Seilbahnen, zusammen mit den Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben jeder zweite Euro.  Die Beschäftigungswirkungen der Seilbahnwirtschaft sind enorm, denn sie sichert und schafft  jährlich rund 9.000 Arbeitsplätze in Salzburg.

Bei den untersuchten Seilbahnen betrug der Beschäftigungszuwachs im Winter 26,3 und im Sommer 24,1Prozent. Auch zeigen die vorliegenden Zahlen für die Umsatzentwicklung der untersuchten Unternehmen mit einem jährlichen Wachstum zwischen 4,4 und 6,5 Prozent eine positive Entwicklung.

Die Nächtigungsentwicklung vor Ort betrug in den 4 Jahren vor der Investition 8,2 Prozent und hat sich in der 4-Jahresperiode 2011/12 bis 2015/16 mit 15,2 Prozent annähernd verdoppelt. Kommt die gute Tourismuskonjunktur auch bei der Beschäftigung im Ort an? Im Winter 2016 war die Beschäftigung im Ort in den untersuchten Gemeinden im Winter in sechs und im Sommer in allen Gemeinden höher als 2011. Per Saldo war die örtliche Beschäftigung um 6,6 und im Sommer um 8,9 Prozent höher als 2011.

„Angesichts der Bedeutung des Tourismus für die regionale Wertschöpfung Innergebirg und der herausragenden Stellung, die darin der Seilbahnwirtschaft zukommt, waren die öffentlichen Förderungen gerade auch angesichts der konjunkturell- und investitionsschwachen Zeit nach der Krise zweckmäßig und erfolgreich“, resümiert AK-Präsident Peter Eder, „dass die AK damals diese Förderungen mitgetragen hat, erweist sich damit nachträglich als richtig. Es zeigt sich also, wie wichtig und erfolgreich antizyklisches Investieren in wirtschaftlich schwachen Zeiten sein kann.“

Förderungen: AK für Beteiligung statt verlorenen Zuschuss

Unabhängig von der Förderung selbst, ist für Eder allerdings die Art der Förderung als verlorener Zuschuss abzulehnen. „Aus der Perspektive des Gemeinwohls ist nicht nachvollziehbar, warum private Gesellschafter  mit Förderungen der öffentlichen Hand Gewinne machen sollen“, kritisiert der AK-Präsident, „ich erwarte mir von der künftigen Landesregierung bei hohen Seilbahnförderungen, wie sie für die untersuchten Seilbahnunternehmen im Rahmen der Salzburg-Anleihe gewährt wurden, dass diese zwingend in Form von Beteiligungen erfolgen. Dafür würde sich etwa eine Förderung mittels Beteiligungskapital in Form einer ´Stillen Gesellschaft´ anbieten.“

Zudem sollte laut Eder auch für die Seilbahninfrastruktur gelten, dass öffentliche Fördermittel nur dann gewährt werden, wenn die Tourismusverbände ihre Eigenfinanzierungsquellen (Ortstaxen und Verbandsbeiträge) wie etwa in Tirol ausschöpfen, bevor sie auf öffentliches Geld zugreifen. Den richtigen Weg in diese Richtung zeigt die Gemeinde Rauris, die zur Finanzierung ihrer neuen Seilbahn die derzeitigen gesetzlichen Möglichkeiten der Ortstaxe (Maximalsatz seit 2013 beträgt 2 Euro) mit 1,95 Euro nahezu ausschöpft.

Abzulehnen sind für die AK also seilbahnbezogene Förderungen aus Mitteln der Tourismus- und Regionalfördertöpfe, insbesondere wenn sie großen und ertragsstarken Unternehmen für Sachinvestitionen wie Speicherteiche oder Beschneiungsanlagen gewährt werden. Diese bewirken lediglich Mitnahmeeffekte und lösen keine zusätzlichen Investitionen aus. Wesentlich zweckmäßiger wären dagegen Investitionsförderungen für wirtschaftlich schwache Schigebiete in Zentrumsnähe, um auch dem städtischen Schinachwuchs den Einstieg in ein hochwertiges Freizeiterlebnis zu ermöglichen.

Seilbahnen als Beispiel für gute Arbeitsplätze

Stichworte Tourismus und Fachkräftebedarf: Die Seilbahnunternehmen haben keine Beschäftigungsprobleme. Das zeigt nicht zuletzt, dass die einheimische Bevölkerung trotz Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit bereit ist, im heimischen Tourismus zu arbeiten, wenn die Lohn- und Arbeitsbedingungen einigermaßen angemessen sind.

Die jeweiligen Lohn- und Arbeitsbedingungen finden ihren Niederschlag auch in der AK-Arbeitsrechtsberatung. Im Schnitt kommt es pro Jahr für Seilbahnbeschäftigte zu siebzehn Beratungen, vier Interventionen und zwei Klagen. Dieser Anteil ist bei Beschäftigten der Hotellerie und Gastronomie deutlich höher: bei Beratungen mehr als 5-mal so hoch, bei Interventionen und bei Klagen 16-mal so hoch.
In Salzburg liegt die Drop-out-Quote bei einem Beobachtungszeitraum von sieben Jahren bei den Beschäftigten in der Hotellerie und Gastronomie bei 60 Prozent. Ähnlich bei den Lehrlingen im Gast- und Beherbergungsgewerbe: 2009 waren von 1.632 Lehrlinge in Ausbildung, nach sieben Jahren nur mehr 611 Lehrlinge in der Branche beschäftigt. Die Drop-out-Quote bei den Lehrlingen beträgt damit 63 Prozent. Eder: „Vergleichsweise niedrige Verdienste, oftmals unbezahlte Überstunden, unattraktive Arbeitszeiten, nicht planbare Freizeiten und die hohe Saisonkomponente sind Ursachen, dass gut ausgebildete Facharbeiter die Branche verlassen. Da die Tourismuswirtschaft einen beachtlichen wirtschaftlichen Stellenwert im Land Salzburg hat, wäre eine sichtbare Initiative zur Attraktivitätssteigerung der Tourismusarbeitsplätze angesagt.“

Die zweite der beiden erwähnten AK-Analysen beschäftigt sich mit dem nicht ausgeschöpften Arbeitsmarktpotential – demnach sind allein durch die hier näher untersuchten, nicht realisierten Bauprojekte rund 2.500 Arbeitsplätze nicht gesichert oder nicht  geschaffen worden.

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