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seilbahn.net | Themenbereiche | Wirtschaft | 2018-10-10

Hörl: Alpenverein nützt Skigebietsprogramm für bekannte Uralt-Propaganda!

Seilbahnbranche und Tourismus haben schon längst Zeichen der Zeit erkannt und setzen massiv auf verantwortungsvolles Wirtschaften im Sinne der eigenen natürlichen Umgebung

Deutliche Worte findet Wirtschaftsbundobmann Franz Hörl für die Kritik des österreichischen und deutschen Alpenvereins am Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramm (TSSP). „Die Herren Präsidenten, angeleitet von ihren angestellten Scharfmachern, haben wieder in die Mottenkiste des Umweltaktivismus gegriffen und wärmen längst abgehakte Themen immer und immer wieder auf“, so Hörl. Er verweist darauf, dass im Rahmen des TSSP auch weiterhin minimal invasive Verbindungen und Zusammenschlüsse möglich sein sollen.

„Eines kann ich versichern: Die Seilbahnbranche und der Tourismus haben schon längst die Zeichen der Zeit erkannt und setzen massiv auf verantwortungsvolles Wirtschaften im Sinne der eigenen natürlichen Umgebung. Ansonsten wäre die Branche nicht Weltmarktführer, denn die Konsumenten fordern diesen Kurs immer stärker und aktiver ein“, so Hörl. Daher fordert er die Verantwortlichen des Alpenvereins und „diejenigen, die augenscheinlich entvölkerte Alpen haben möchten“ dazu auf, ihren Blick zu heben und die Fakten zu erkennen. „Es ist ein Faktum, dass genau unser TSSP Tirol vor Neuerschließungen bewahrt. Ohne TSSP sind auch neue Skigebiete theoretisch möglich, weil dann nur noch das Naturschutzgesetz gilt. Und da steht nirgends, dass Neuerschließungen nicht möglich sind. Daher mein Appell an die Herrn Präsidenten: bitte mehr Realitätsbezug und zurück zur Wahrheit!“

Zugleich wirft Hörl dem Alpenverein vor, einmal mehr mit gespaltener Zunge zu sprechen und damit auch erneut an Glaubwürdigkeit einzubüßen. „Man muss sich nur vor Augen führen, wie viele Alpenvereinshütten aktiv damit Werbung betreiben, an ein Skigebiet angeschlossen bzw. über Seilbahnen erreichbar zu sein. Dasselbe gilt für die dauernde Mitgliederwerbung mit dem Argument, dass die Hubschrauberbergung mit dem Alpenvereinsmitgliedsbeitrag mitversichert wird. Es ist durchaus hinterfragenswert, wenn der Alpenverein gegen etwas wettert, was er in der Eigenwerbung prominent als Vorteil bezeichnet“, betont Hörl, der kritisiert, dass dem Alpenverein somit Stimmungsmache wichtiger sei als eine sachliche Diskussion. „Wir begrüßen es, wenn die Alpenvereine auch Marktforschung betreiben. Es ist allerdings anzuzweifeln, dass entsprechende Ergebnisse auch öffentlich werden. Denn wir wissen auf Basis einer großen Datengrundlage sehr genau, was unsere Gäste wollen und der Erfolg gibt uns recht. Am Ende zeigt allein die hohe Nachfrage nach Bergurlaub in Tirol, dass unser Produkt stimmt. Mit sanftem Tourismus leitet man hingegen den schnellen und unsanften Tod ganzer Tourismusregionen ein. Das sollten die Herren und Damen des Alpenvereins dann aber auch in dieser Klarheit formulieren und sich öffentlich dazu bekennen“, so Hörl.



Orginal Aussendung des Alpenvereins:

Alpenverein: Bahn frei für die nächste Erschließungswelle?

Alpenverein warnt vor "Fortschreibung" des neuen Seilbahnprogramms

Der Österreichische Alpenverein hat heute vor der Neuauflage des Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramms (TSSP) gewarnt und die trickreichen Methoden der Seilbahnlobby unter die Lupe genommen. Dabei zeichnet sich ein klares Bild: mit Beharrlichkeit, einflussreichen Zurufern und genügend Interpretationsspielraum ließen sich schon bisher auch die umstrittensten Projekte durchsetzen. Jenen Erschließungsplänen, die noch in den Schubladen liegen, droht das Seilbahn- und Skigebietsprogramm nun endgültig Tür und Tor zu öffnen. Unterstützung im Konflikt um die Skigebietserweiterungen kommt vom Deutschen Alpenverein.

Alpenverein entschieden gegen Aufweichung der Seilbahngrundsätze 

"Allen politischen Verbündungen zum Trotz erwarten wir uns endlich einen rechtlichen Rahmen, der stabil genug ist, um den selbsternannten Visionären im Tourismusland Tirol klar die Grenzen aufzuzeigen", fordert Dr. Andreas Ermacora, Präsident des Österreichischen Alpenvereins. Einen solchen Rahmen hätte das Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramm schaffen sollen, doch das Gegenteil ist der Fall.

"In der jetzt vorgelegten Fassung bereitet uns das TSSP große Sorgen. Schon jetzt taumelt Tirol von einem Tourismusrekord zum nächsten, einige Nadelöhre sind verkehrstechnisch bereits völlig überlastet. Jetzt wird ein Seilbahnprogramm diskutiert, das den schwelenden Erschließungsplänen endgültig Tür und Tor öffnen würde", so der Alpenvereinspräsident. 

Auch der Tiroler Landesverband des Alpenvereins wendet sich mit seinen 110.000 Mitgliedern und den unmittelbar betroffenen Sektionen von ÖAV und DAV entschieden gegen eine Aufweichung der Tiroler Seilbahngrundsätze 2005, die Ende 2018 auslaufen. Landesverbandsvorsitzender Gerald Aichner dazu: "Die Bestimmungen zum Schutz von Natur, Landschaft und Umwelt sind in ihrer Intention unverändert – also nicht nur in abgeschwächter Form – beizubehalten. Die Ausschlusskriterien müssen erhalten bleiben." 

"Erschließungsstopp" ist leeres Versprechen

Das Argument der "Fortschreibung" eines bestehenden Programms lässt der Alpenverein nicht gelten: "Die Befürworter des TSSP brüsten sich aktuell gerne damit, dass sich durch das neue Seilbahnprogramm kaum etwas ändert. Vor allem Neuerschließungen würde man weiterhin nicht zulassen. In Wahrheit wurde der Begriff der 'Neuerschließung' einfach neu definiert. So gaukelt man der Bevölkerung einen 'Erschließungsstopp' vor und fasst unter 'Erweiterungen', was bislang als Neuerschließung verboten war. Alles eine Frage der Definition also. Diese Tricks müssen wir unbedingt enttarnen", sagt Liliana Dagostin, Leiterin der Abteilung für Raumplanung und Naturschutz im Österreichischen Alpenverein und fügt hinzu:  

"Die letzten Naturräume hat die Seilbahnindustrie ja schon lange im Visier. Schwarz-Grün schafft jetzt die letzten Einschränkungen ab, um in einem Bundesland, das mit insgesamt 93 Skigebieten kaum noch Grenzen hat, für noch mehr skitechnische 'Bewegungsfreiheit' zu sorgen." 

TSSP eröffnet neue Chancen für Schubladen-Projekte 

Der Alpenverein kritisiert den vorliegenden Entwurf des TSSP harsch. Die "Schubladen-Projekte" im Regierungsabkommen, die bisher als Neuerschließung raumordnungsrechtlich abgelehnt worden wären, werden als Erweiterung umetikettiert: Etwa der Zusammenschluss Hochfügen-Tux mit Zubringer über Weerberg, Hochoetz-Kühtai oder Sexten-Sillian. Auch der umstrittene Pitztaler Notweg könnte sich damit möglicherweise zu einem offiziellen Skiweg umwidmen lassen.  

"Die Ausdehnung der Skigebiete Hochoetz und Kühtai über das Gebiet Feldringer Böden und Schafjoch ist ebenso ein 'no go' wie die Offensive für eine Seilbahnverbindung von Weer/Weerberg über Gilfert und Rastkogel nach Hochfügen. Neuerschließungen sowie die acht geplanten Skigebietserweiterungen führen zur Zerstörung von Landschaft und Natur. Damit würde der Erholungswert dieser Gebiete, insbesondere für die heimische Bevölkerung und die steigende Zahl der Tourengeher, erheblich zerstört", so Gerald Aichner vom Landesverband Tirol. 

"Wenn man bedenkt, wie wenige Projekte VOR dem ersten TSSP 2005 umgesetzt wurden und wie viele Gebiete danach neu erschlossen und unwiederbringlich zerstört wurden, ist es wohl gesünder für unsere Naturräume, das TSSP auslaufen zu lassen. Dann werden wir wieder um jeden einzelnen Flecken unberührter Landschaft kämpfen, der Tirol noch bleibt – egal, ob er innerhalb oder außerhalb der Skigebietsgrenzen liegt", zeigt sich Liliana Dagostin entschlossen. 

Schwarzbau und trickreiche Methoden im Pitztal 

Eine dieser derzeit heiß umkämpften Flächen ist das Pitztaler Gletscherskigebiet am Brunnenkogel- und Mittelbergferner, in dem die trickreichen Methoden, um weiteren Raum zu erschließen, beinahe so alt sind wie das Skigebiet selbst. 

Was dort mit dem Pitztaler "Notweg" begonnen hat, scheint inzwischen gängige Praxis zu sein: Auch 2018 wurden nicht genehmigte Bautätigkeiten im Gletscherskigebiet beobachtet. Zur unerlaubten Verbreiterung eines Skiwegs am Hinteren Brunnenkogel und den massiven Erdbewegungen am Grat liegen inzwischen zwei Anzeigen bei der Behörde. "Zu befürchten ist, dass auch hier rückwirkend eine Genehmigung erteilt wird – analog zur Geschichte am Notweg, bei der man damals eifrig nachgeholfen hat, die Bauherren reinzuwaschen", erinnert Liliana Dagostin vom ÖAV.

Schulterschluss mit dem Deutschen Alpenverein

Unterstützung im Konflikt um die Skigebietserweiterungen kommt auch vom Deutschen Alpenverein. Der DAV ist ebenso wie der ÖAV in Österreich als Umweltorganisation anerkannt, viele der Alpenvereinshütten und Arbeitsgebiete in Tirol werden von DAV-Sektionen betreut. "Wenn bisher unberührte Geländekammern in Österreich technisch erschlossen werden und die Natur dabei unter die Räder kommt, betrifft das auch den DAV – und zwar in gleichem Maße, wie es ihn in den bayerischen Alpen betrifft", sagt Rudolf Erlacher, Vizepräsident des Deutschen Alpenvereins. Der Skigebietszusammenschluss von Pitz- und Ötztal sei "ein weiteres Puzzlestück im hochalpinen Flächenfraß". Die Braunschweiger Hütte des DAV steht mitten in diesem Erschließungsprojekt am Rande des Mittelbergferners.

Im Schulterschluss fordern die beiden Alpenvereine, dass der Skigebietszusammenschluss von Pitz- und Ötztal nicht realisiert wird. "Wir appellieren an die Einhaltung von Ruhezonen, Raumordnungsprotokollen und Skigebiets- und Seilbahnprogrammen in Tirol. Wir fordern einen Stopp von Skigebietserweiterungen und -zusammenschlüssen in noch unerschlossene Geländekammern, um naturnahe Regionen für sanften Tourismus und Bergsport langfristig zu erhalten", so die Alpenvereine unisono.

Riedberger Horn: Wert des Naturraums erkannt

Dass die Alpenvereine mit solchen Forderungen auf eine breite gesellschaftliche Basis setzen können, hat sich in der Auseinandersetzung um das Riedberger Horn im Allgäu eindrucksvoll gezeigt. Im April dieses Jahres hat der bayerische Ministerpräsident Markus Söder den Rückzug vom dort geplanten Skigebietszusammenschluss bekannt gegeben. Der Entscheidung waren massive Proteste der Naturschutzverbände und des DAV vorausgegangen.

Letztlich war es der gesellschaftliche Druck, der die bayerische Staatregierung zum Richtungswechsel gebracht hat. Es ist breiter gesellschaftlicher Konsens in Bayern, dass die Alpen ein einzigartiger, unverzichtbarer, bedrohter und daher unbedingt schützenswerter Naturraum sind.

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