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seilbahn.net | Themenbereiche | Tourismus | 2018-07-12

Schweizer Tourismus «too big to fail» für Berggebiete

Die positive Entwicklung der letzten Wintersaison darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Tourismus in den Berggebieten seit Jahren in einer tiefgreifenden Krise befindet. Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) und der Schweizer Tourismus-Verband (STV) haben deswegen ein Thesenpapier erarbeitet, das zuhanden der Branche und der Politik konkrete Lösungsansätze und Massnahmen aufzeigt.

In jüngster Zeit war wiederholt von einer Trendwende im Schweizer Tourismus die Rede. Die kurzfristige Aufhellung ändert allerdings nichts an den Herausforderungen, mit denen der Tourismus in den Berggebieten konfrontiert ist. Zwischen der Wintersaison 2007/08 und 2016/17 brach die Zahl der Skifahrertage im Schweizer Alpenraum um 26% ein. Im gleichen Zeitraum ist in den wichtigsten alpinen Tourismusregionen ein Rückgang der Hotellogiernächte im zweistelligen Prozentbereich eingetreten. Infolge der Eurokrise verloren die alpinen Destinationen zudem innerhalb weniger Jahre rund 40% ihrer europäischen Gäste. Dazu kommen langfristige Entwicklungen wie die Klimaveränderung und der demografische Wandel, die sich auf die Bedingungen und die Wertschöpfungskette des Bergtourismus besonders stark auswirken. 

Der Bergtourismus ist «too big to fail»

Der Tourismus stellt für die Berggebiete einen strategischen Wirtschaftssektor dar und ist deswegen «too big to fail». Die fortdauernde strukturelle Krise führt dazu, dass eine wichtige wirtschaftliche Basis der Berggebiete wegbricht und damit auch die Existenzgrundlage der Bevölkerung gefährdet ist. Vor diesem Hintergrund begrüssen die SAB und der STV, dass der Bundesrat im November 2017 eine neue Tourismusstrategie vorgelegt hat, die in ihrer Prioritätensetzung auf wichtige Herausforderungen der Branche eingeht. Allerdings trägt die Strategie der Sonderstellung des Bergtourismus nur ungenügend Rechnung. Wegen des wenig diversifizierten Angebots und der hohen Abhängigkeit von konjunkturellen Schwankungen und Witterungsbedingungen unterscheidet sich dieser grundlegend vom städtischen Tourismus. Die Tourismuspolitik kann nur erfolgreich sein, wenn sie diese spezifischen Rahmenbedingungen berücksichtigt und einen entsprechend differenzierten Ansatz verfolgt. Das Thesenpapier, das die SAB und der STV gemeinsam erarbeitet haben, nimmt auf dieses Anliegen Bezug und identifiziert die Massnahmen, die für die Zukunft des Bergtourismus am wichtigsten sind. Im Vordergrund stehen vermehrte Kooperationen zwischen den Tourismusdestinationen, ein ganzjähriges Angebot sowie eine stärkere Ausrichtung der Förderinstrumente auf die Produktgestaltung. Als Voraussetzung für die öffentliche Unterstützung der Erneuerung von touristischen Kerninfrastrukturen sollen in Zukunft übergeordnete Entwicklungsstrategien erarbeitet werden.

Stärkung der Governance im Tourismussystem

In den letzten Jahren scheiterten Veränderungsprozesse im Bergtourismus oft an der Komplexität der Strukturen und den unklaren und zersplitterten Verantwortlichkeiten. Die Trendwende kann nur gelingen, wenn die Governance und die Zusammenarbeit im Tourismussystem gestärkt werden. Gefordert sind neben der Branche die politischen Akteure auf allen Stufen, die direkt betroffene Bevölkerung in den Berggebieten sowie die Forschung und Wissenschaft. Auf Bundesebene muss als Task Force eine neue Koordinationsstelle für den Tourismus geschaffen werden, in der sowohl die Branche wie auch Vertreter von Bund und Kantonen vertreten sind. Diese muss die spezifischen Anliegen des Bergtourismus prioritär berücksichtigen.

Die Lösungsansätze für die Neupositionierung des Bergtourismus liegen auf dem Tisch. Es liegt nun an allen Akteuren, die vorhandenen Potenziale im Interesse eines prosperierenden Alpenraums und Jurabogens zu nutzen, strukturelle Verbesserungen vorzunehmen und die nötigen Innovationen zu generieren. Die SAB und der STV werden weiterhin Anstrengungen unternehmen, um die Akteure der Branche zu sensibilisieren und die vorgeschlagenen Lösungsansätze in den politischen Prozess einfliessen zu lassen.


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