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seilbahn.net | Themenbereiche | Seilbahnen | 2012-06-29

Garaventa: CabriO-Bahn Stanserhorn – Herausforderung für die Seilbahnbauer

Es ist nicht das erste Mal, dass die Goldauer Seilbahnfirma Garaventa mit dem Bau einer neuen Seilbahnanlage in neue Dimensionen vorstösst.

Die Realisierung der weltweit ersten CabriO-Bahn auf das Stanserhorn stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten. Die CabriO-Bahn ist eine Kombination von Funifor und Pendelbahn. Auch das ist, wie so vieles an dieser Bahn, eine Garaventa-Innovation.

Bei Garaventa ist man sich in Sachen Bahnbau einiges gewohnt. Und wenn es einen Begriff im Wortschatz der Goldauer Seilbahnbauer nicht gibt, dann den Begriff «unmöglich», solange sich die Bedürfnisse der Kunden im Rahmen der Gesetzgebung und gültigen Normen realisieren lassen. «Die CabriO-Bahn ist», bemerkt Garaventa-Projektleiter Beat Musfeld, «ein in jeder Beziehung einzigartiges Projekt.» Eine Bahn mit offenem Oberdeck, wie sie sich die Verantwortlichen der Stanserhorn-Bahn-Gesellschaft vorstellten, gab es bislang auf der ganzen Welt nicht. Garaventa konnte sich in dieser Situation einzig auf das grosse Know-how, das innerhalb der Doppelmayr-Garaventa-Gruppe vorhanden ist, abstützen. Denn die Bahn musste somit von Grund auf neu konzipiert werden.

Vom System her ist die CabriO-Bahn eine Kombination von Funifor und Pendelbahn. Die beiden Fahrzeuge verkehren dabei mit 24 Rollen-Laufwerken auf den seitlich geführten Tragseilen. Bewegt werden die Laufwerke von einer oberen und einer unteren Zugseilschlaufe. Die obere Zugseilschlaufe wird bei der Bergstation mittels Spanngewicht gespannt und mit waagrechten Seilscheiben auf die Unterseite der beiden Laufwerke umgelenkt. Die untere Seilschlaufe läuft durch den verschiebbaren Antrieb in der Talstation. Die Seilführung entspricht dem vom Garaventa-Mutterhaus Doppelmayr entwickelten Funifor-Bahntyp. Bei den vier Tragseilen handelt es sich um vollverschlossene Tragseile mit einem Durchmesser von 66 Millimetern. Pro Meter bringen die Tragseile ein Gewicht von 25 Kilogramm auf die Waage. Gewaltig sind auch die Kräfte, die mit dem Spannen der Zugseile sowohl auf die Berg- als auch auf die Talstation einwirken. Pro Seil beträgt der Zug 120 Tonnen. Bei der CabriO-Bahn handelt es sich um eine fix abgespannte Pendelbahn. Die neuartige Konstruktion und die grossen Laufwerke haben wiederum Auswirkungen auf die Seilbahnstützen und ihre Fundamente. Jeder der vier Stützenköpfe ist ohne Gehänge 8 Meter hoch, 10 Meter tief und 24 Meter breit. Knapp 375 Tonnen Stahl wurden für den Bau der Stützen verarbeitet. «Das war», um es mit den Worten von Projektleiter Beat Musfeld auszudrücken, «eine gewaltige Materialschlacht am Berg.» Denn durch die zeitliche Verzögerung beim Bau der Bergstation mussten sämtliche vorkonfektionierten Stützenteile in unmittelbarer Nähe der Stützenstandorte noch vor dem Wintereinbruch deponiert werden. Denn auch die Bauzeit während der Wintermonate ist eine Eigenheit der neuen CabriOBahn. «Es kommt äusserst selten vor, dass man für so heikle Arbeiten wie den Seilzug die kalte Jahreszeit auswählt», gibt Beat Musfeld zu verstehen.

So einzigartig wie das neue Bahnkonzept ist auch die Niveauregulierung. Es handelt sich dabei um eine Garaventa-Neuentwicklung für Pendelbahnen. Herzstück bilden zwei links und rechts der beiden Laufwerke montierte hydraulische Zylinder, welche die Längspendelungen innerhalb von Sekundenbruchteilen ausnivellieren. Aufgrund der kurzen Bauphase am Berg ? die alte Bahn war noch bis im Oktober des vergangenen Jahres in Betrieb ? und der geologischen Schwierigkeiten beim Bau der Bergstation waren in Spitzenzeiten mehr Fachleute am Stanserhorn am Arbeiten, als dies zum Beispiel beim Bau des neuen Luzerner Fussballstadions der Fall war.

Allgemeine Technische Daten

  • Nutzlast pro Wagen 60 Personen, davon 30 auf dem Oberdeck
  • Maximale Fahrgeschwindigkeit inkl. Stützenüberfahrt 8,0 m/s
  • Fahrzeit bei maximaler Fahrgeschwindigkeit 6 Min. 24 Sek.
  • Förderleistung in eine Richtung 465 Personen pro Stunde
  • Schräge Länge 2319,13 m
  • Höhenunterschied 1138,50 m
  • Spurweite Tragseile und Fahrzeug 5000 mm
  • Seile und Seilverbindungen, Lieferant Fatzer
  • Zugseil, Seildurchmesser (Nenn-ø) 26 mm
  • Gegenseil, Seildurchmesser (Nenn-ø) 30 mm
  • Gewicht 2 Zugseile 30 Tonnen
  • Tragseil, Seildurchmesser (Nenn-ø) 66 mm
  • Gewicht 4 Tragseile 266 Tonnen
  • Gewicht Tragseile pro Meter 25 kg
  • Totalgewicht der 4 Trag- und 2 Zugseile 296 Tonnen

Antrieb 1 Elektromotor
? Nennleistung (Leistung max. betrieblich)
? Spitzenleistung (Leistung max. dynamisch)
919 kW
994 kW

2 Dieselmotoren für Räumungsantrieb
Elektronik und Seilbahnsteuerung
Lieferant Frey AG, Stans
Mechanische Einrichtungen der Streckenbauwerke
Anzahl der Stützen 4 Stück
Gewicht der Stützen 374 695 kg
Fahrzeuge (Kabinen und Laufwerk)
Totalgewicht Wagen voll (Wanderlast) 16 340 kg
Lieferant Kabinen Gangloff, Bern

www.doppelmayr.com











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