Rekordwinter? Schön und gut – aber wir manövrieren uns gerade ins Aus.Gastbeitrag von Benjamin Kneisl, Vorstandsvorsitzender Verband der Tiroler Tourismusverbände Hand aufs Herz: Die Zahlen für Dezember bis Februar schauen super aus. Aber wer als Touristiker nur auf die Jubelmeldungen starrt, übersieht, dass uns im März und April gerade massiv das Geschäft wegbricht. Und zwar nicht nur bei den Gästen, sondern vor allem bei der Wertschöpfung. Als Sprecher der Tiroler TVBs muss ich mal Klartext reden: Wir haben kein Reichweitenproblem, wir haben ein Strategieproblem. Tirol Werbung: Selbstbeschäftigung statt Marktpräsenz Während wir in den Tälern um jeden Gast kämpfen, wirkt die Tirol Werbung wie ein Beamtenapparat, der sich lieber mit sich selbst beschäftigt als mit der Realität. -Wo ist die Kampagne für den Sonnenskilauf? Speziell für die hochgelegenen Skigebiete. Fehlanzeige. Man hat das Gefühl, die Probleme werden in Innsbruck nicht mal ignoriert – sie werden schlicht nicht erkannt. Die Preis-Falle: Skifahren nur noch für die oberen Zehntausend? Weil der Winter gefühlt nur noch drei Monate dauert, konzentriert sich alles auf die Core-Zeit. Die Preise müssen steigen, um die Fixkosten zu decken. Aber: Der Gast von heute ist nicht blöd. Die „Geiz-ist-geil“-Zeit ist vorbei, heute regiert der Preis-Leistungs-Check. Warum sollte jemand im März für sulzige Pisten dasselbe zahlen wie im Januar für Powder? Ohne Events wie in Sölden oder Ischgl kriegst du die Leute nicht mehr aus der Reserve. Während zu Beginn der Saison jeder "heiß" aufs Skifahren ist, der Schnee dabei das Event ist, hat man zu Saisonende alle Hände voll zu tun um die Gäste auf die Piste zu locken. Der „Sport-Sättigungs-Effekt“ Wir müssen kapieren: Unsere Konkurrenz im Frühjahr ist nicht das Nachbartal. Es ist das Rennrad oder das Golfset. Die Leute sind heute multisportiv unterwegs: Durchschnittliche Sport-Nutzungsdauer pro Jahr: -Skifahren: ca. 3 Monate (Kernwinter) Wenn im Tal die Sonne scheint, will der Gast aufs Radl. Wenn wir gesamthaft für Tirol da nur „Skifahren“ rufen, rufen wir ins Leere. Das Paradoxon: Lieber zu als draufzahlen Wir faseln vom Ganzjahrestourismus, aber die Realität ist: Viele Betriebe sperren im März und April früher zu als einst. Warum? Weil die Kosten fressen uns auf. Und nein, das fangen wir nicht auf, indem wir im Mai früher aufsperren. Im Mai ist die Wertschöpfung im Keller – da wechselst du nur einen 100-Euro-Schein gegen zwei 50er und hast am Ende draufgezahlt. Kurz gesagt: Wir verwalten den Erfolg von gestern und verschlafen den Gast von morgen. Wir brauchen eine Strategie, die den März und April rettet, bevor uns die Saison komplett um die Ohren fliegt. |



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