seilbahn.net | Themenbereiche | Seilbahnen | 2026-02-16

Mountain Planet: Seilbahntechnik - Immersive Technologien eröffnen eine neue Ära von Schulung und Wartung

Immersive Technologien etablieren sich zunehmend als echte Arbeitswerkzeuge für Schulung, Wartung und künftig auch vorausschauende Instandhaltung von Seilbahnanlagen. Virtual-Reality-Headsets, Augmented-Reality-Lösungen und digitale Zwillinge führen den Seilbahntransport in eine neue Ära, in der sich praktisches Know-how mit der Leistungsfähigkeit immersiver Digitaltechnik verbindet. Die Fachmesse Mountain Planet beleuchtet diese Entwicklungen im Seilbahnsektor – sowohl im alpinen Umfeld von Skigebieten als auch im urbanen und touristischen Bereich.

Schulung von Teams mit Virtual und Augmented Reality unter nahezu realen Bedingungen

Immersive Technologien ermöglichen heute die Ausbildung von Seilbahnpersonal unter nahezu realistischen, aber risikofreien Bedingungen. Virtual Reality (VR) erlaubt die interaktive Simulation von Betriebs-, Sicherheits- oder Wartungsszenarien.

Die Station Valloire in Savoyen hat sich 2023 mit einem immersiven Trainingssimulator des Unternehmens IESA ausgestattet. Dieser VR-Simulator bildet verschiedene Anlagentypen (Sessellifte, Gondelbahnen, Schlepplifte) ab und erlaubt angehenden Bedienern, Betriebsabläufe, Kundenkontakt in der Talstation, Arbeitssicherheitsregeln sowie das Management technischer Störungen in einer realistischen 3D-Umgebung zu trainieren.

Sensibilisierung für Eco-Driving und Energieeffizienz

Ein weiterer Anwendungsbereich ist die Schulung zum energieeffizienten Betrieb von Seilbahnen. Skigebiete reduzieren kontinuierlich ihren Energieverbrauch. Ein VR-Trainingsmodul wurde entwickelt, um Fahrer für den Einfluss ihrer Geschwindigkeitseinstellungen auf den Stromverbrauch zu sensibilisieren.

Mit VR-Brille sieht der virtuelle Bediener in Echtzeit sowohl die Warteschlange als auch den Energieverbrauch der Anlage und passt die Geschwindigkeit je nach Auslastung an – mit dem Ziel, den Energieeinsatz zu optimieren.

Standardisierte Ausbildung durch Augmented Reality

Augmented Reality (AR) ergänzt die Schulung direkt vor Ort. Durch das Einblenden von Schaltplänen oder Anweisungen auf Tablets oder AR-Brillen können Techniker bei Wartungsarbeiten oder Sicherheitsprüfungen geführt werden.

Ein mit AR-Brille ausgestatteter Mitarbeiter sieht kontextbezogene Informationen wie Bauteilnamen, Sensorpositionen oder Arbeitsschritte direkt am realen Objekt. VR und AR ermöglichen so eine standortübergreifende Standardisierung der Ausbildung und verbessern Sicherheit, Energieeffizienz und technische Kompetenz des Personals.

Predictive Maintenance: Von Daten zum Einsatz vor Ort

In der Seilbahnwartung schreitet die digitale Transformation mit IoT-Sensoren, Echtzeit-Datenanalysen und zunehmend auch immersiven Benutzeroberflächen voran. Augmented Reality erweist sich dabei als besonders wertvoll für vorausschauende Wartung und Remote-Support, da sie Informationen genau dort bereitstellt, wo sie benötigt werden.

Fernunterstützung: Das Beispiel Leitner

Ein praktisches Beispiel ist der Einsatz von AR-Fernassistenzlösungen durch große Hersteller. Der Industrieanbieter Leitner nutzt TeamViewer Assist AR (ehemals TeamViewer Pilot), um Betreibern Echtzeit-Support zu bieten.

Serviceexperten sehen die Anlage über Smartphone oder Tablet des Technikers und können Live-Markierungen setzen, um Handgriffe zu erklären. Dadurch lassen sich viele Störungen aus der Ferne beheben, Spezialreisen reduzieren und die Verfügbarkeit der Anlagen erhöhen. Das Ergebnis: schnellere Wiederinbetriebnahme, weniger Unterbrechungen für Gäste und deutliche Kosteneinsparungen.

Kritische Daten in Augmented Reality visualisieren

AR ermöglicht außerdem die direkte Anzeige von Sensordaten auf der realen Anlage. Mit AR-Brillen sehen Wartungstechniker Werte wie Motortemperatur, Vibrationsniveau von Rollen oder Seilspannung in Echtzeit überlagert auf der Maschine.

So können kritische Schwellen früh erkannt werden – etwa bevor ein Bauteil ausfällt oder eine Fehljustierung entsteht. Diese Vorgehensweise reduziert ungeplante Stillstände und erhöht die Sicherheit durch visuelle Warnhinweise bei Abweichungen.

Checklisten, Historien und geführte Prozesse

AR erleichtert auch den Zugriff auf Wartungshistorien und Checklisten: Richtet ein Techniker ein Tablet auf eine Sesselliftklemme, können sofort der letzte Prüfbericht oder eine 3D-Demontageanleitung erscheinen. Technische Handgriffe werden dadurch geführt und abgesichert.

Unternehmen wie Poma oder Doppelmayr integrieren bereits fortschrittliche digitale Lösungen (Ferndiagnose, Hypervision), die den Weg für immersive Wartung ebnen.

Immersive Simulation und digitale Zwillinge

VR-Simulatoren dienen nicht nur der Schulung, sondern auch der Wartungsvorbereitung. Techniker können seltene Störungsszenarien virtuell trainieren – etwa Arbeiten in der Höhe oder die Evakuierung blockierter Kabinen.

Darüber hinaus entstehen digitale Zwillinge: 3D-Modelle von Anlagen, die in Echtzeit mit Sensordaten aktualisiert werden. In VR visualisiert, erlauben sie Ingenieuren, strukturelle Anomalien zu erkennen und präventive Wartungsmaßnahmen präzise zu planen. Langfristig zeichnen sich immersive Kontrollräume ab, in denen komplette Seilbahnnetze in Echtzeit überwacht werden.

Auf dem Weg zu immersiven Leitständen

Immersive Technologien setzen sich im Seilbahnsektor zunehmend für Schulung und Wartung durch. Skigebiete, urbane Betreiber, Hersteller und Tech-Start-ups arbeiten gemeinsam an diesen Innovationen. Erste Erfahrungen zeigen klare Vorteile in puncto Sicherheit, Effizienz und Flexibilität.

Auch wenn viele Anwendungen noch am Anfang stehen, kündigen sie eine Zukunft an, in der Seilbahnen aus immersiven Kontrollzentren heraus gesteuert werden – mit Echtzeit-Überblick über jede einzelne Anlage. Mechanisches Jahrhundert-Know-how verbindet sich dabei mit immersiver Digitalintelligenz – zum Nutzen von Betreibern, Technikern und Fahrgästen.

Über Mountain Planet

MOUNTAIN PLANET ist die Weltleitmesse für Berginfrastruktur und alpine Industrie und findet im Eventzentrum ALPEXPO in Grenoble (Auvergne-Rhône-Alpes, Frankreich) statt. Als internationaler Treffpunkt der Bergbranche präsentiert sie neueste Innovationen und Markttrends.

Alle zwei Jahre versammelt die Messe das globale Ökosystem der Bergwirtschaft (Industrie, Kommunen, Betreiber, Hotellerie usw.). Jede Ausgabe zählt über 900 internationale Aussteller auf 60.000 m² Ausstellungsfläche sowie mehr als 20.000 Fachbesucher aus über 68 Ländern.

Die nächste Ausgabe von MOUNTAIN PLANET findet vom 21.–23. April 2026 in Grenoble-ALPEXPO statt.
Weitere Informationen: http://mountain-planet.com/





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