Mountain Planet: Design als neuer Motor für Seilbahnmobilität in den Bergenvon Alexandre Bérard In Skigebieten ebenso wie in den Tälern wird Design oft noch als ästhetisches „Extra“ wahrgenommen – manchmal sogar als Luxus. Die Kooperationen mit Herstellern von Seilbahnen wie POMA, MND, LEITNER oder Doppelmayr zeigen jedoch, dass Design im Gegenteil zu einem strategischen Hebel werden kann: für das Reiseerlebnis der Fahrgäste, für eine ressourcenschonendere Infrastruktur und für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit der Akteure in den Bergregionen. Anlässlich seiner Ausgabe 2026 widmet sich Mountain Planet genau dieser Rolle des Designs in der Seilbahnmobilität und lässt Designer und Industrievertreter zu Wort kommen, die Design bereits als konkreten Motor der Transformation im Gebirge einsetzen. Lange Zeit auf das Erscheinungsbild von Kabinen oder Stationen beschränkt, steht Design heute im Zentrum der Überlegungen zur Gestaltung von Berginfrastrukturen: Anpassung an das Klima, Ganzjahresnutzung, neue Nutzungsformen, wahrgenommene Qualität und Nachhaltigkeit. Ob urbane Seilbahnmobilität, Verbindungen zwischen Tal und Station oder klassische Skilifte: Designstudios wie Atelier Patrick Jouffret und Stellantis Design Studio stellen fest, dass Design in den Bergen noch immer untergenutzt ist. Die nächste Entwicklungsstufe liegt nicht in immer spektakuläreren Formen, sondern in Modularität, Recyclingfähigkeit und Nutzungsangemessenheit. Design als Motor für Erlebnis und Landschaft Für die Seilbahn Mont Faron in Toulon entschieden sich der Industriedesigner Patrick Jouffret und sein Team dafür, die historische rote Kabine zu bewahren, sie jedoch innen komplett neu zu gestalten. Bei der Standseilbahn Bourg-Saint-Maurice – Les Arcs in Savoyen folgte das Design einer ähnlichen Logik. Ein gläsernes Dach wurde als Aussichtspunkt über die Berge konzipiert – entstanden aus einer intensiven Analyse vor Ort und aus dem Fokus auf Panoramaerlebnisse statt formaler Gesten. Glasdach und Volumen, inspiriert von den Aussichtspunkten der Designerin Charlotte Perriand, öffnen die Sicht und den Raum und verwandeln eine reine Transportfahrt in eine immersive Reise durch die Landschaft. Wenn Produktdesign und Industriedesign zusammenfinden Mit dem Programm ORIZON für Gondel- und Sessellifte beauftragte MND das Stellantis Design Studio mit der Entwicklung einer neuen Generation eines gesamten Systems aus Kabinen, Stationen und Skiliften – von Anfang an als komplettes „Produktsystem“ gedacht: Außendesign, Innenarchitektur, wahrgenommene Qualität, industrielle Prozesse und Kommunikation. Mit ORIZON macht die Welt der Gondelbahnen einen qualitativen Sprung: Die Kabine wird als „einzigartiges Fenster zur Welt“ konzipiert und bietet dank optimierter Struktur und maximaler Verglasung eine der besten Aussichten auf dem Markt. Die Identität von ORIZON – Name, Logo und grafische Sprache – greift dieses Konzept der Öffnung zur Landschaft auf. Gleichzeitig ist die Kabine bewusst als „weiße Leinwand“ gestaltet, auf der Betreiber von Skigebieten oder touristischen Standorten ihre eigene Identität über Farben und Grafiken ausdrücken können. Die Teams des Stellantis Design Studios arbeiteten in mehreren Phasen: Analyse von Nutzung und Kontext internationale kreative Exploration detaillierte Entwicklung Dabei stützten sie sich sowohl auf die Automobil-Expertise von Stellantis (Passgenauigkeit, Spaltmaße, Oberflächenqualität, Fertigungstechnologien) als auch auf die Ingenieurskompetenz von MND. „Dank seines innovativen und erlebnisorientierten Designs wird ORIZON zukünftigen Kunden eine einzigartige Perspektive auf unsere wertvollen natürlichen und gebauten Umgebungen bieten.“ Nüchternheit, Modularität, Nachhaltigkeit: Design als Antwort auf den Klimawandel Für Patrick Jouffret tritt das Design in den Bergen in eine neue Ära ein: eine Ära der Schlichtheit, Modularität und Recyclingfähigkeit statt großer, starrer Verbundstrukturen. Beim Stellantis Design Studio geht Design über reine Form hinaus und integriert industrielle Robustheit, höchste wahrgenommene Qualität und Design-to-Cost. Vom Objekt zum Territorium: eine globale Vision der Berggestaltung Über die Kabinen hinaus vertreten beide Studios eine Sichtweise, in der Design als territoriales Gesamtprojekt verstanden wird. Für das Atelier Patrick Jouffret muss ein gelungenes Bergdesign: bescheiden und landschaftsrespektierend sein die Geschichte der Orte berücksichtigen gleichzeitig neue Erlebnisse bieten: immersive Reisen, neue Beobachtungsperspektiven, modulare Nutzung und Integration mit anderen Mobilitätsformen oder Ganzjahresaktivitäten. Die Standseilbahn Les Arcs ist dafür ein Beispiel: ein ikonisches Objekt, das aus einem tiefen Verständnis von Zwängen, Nutzungen und Erwartungen im Kontext des Klimawandels entstanden ist. Beim Stellantis Design Studio steht der Mensch im Zentrum des „Experiential Design“. Die Designer sehen in der Bergwelt noch großes ungenutztes Potenzial: Design als Partner der Berge von morgen Angesichts klimatischer Herausforderungen, der notwendigen Investitionsnüchternheit und der Suche nach neuen Wirtschaftsmodellen für Bergregionen erscheint Design zunehmend als strategischer Hebel statt als dekorativer Überzug. Durch seine Fähigkeit, Ingenieurwesen, Nutzung, Wirtschaft und Landschaft zu verbinden, kann Design öffentliche und private Akteure dabei unterstützen, anpassungsfähigere, attraktivere und nachhaltigere Infrastrukturen zu entwickeln – von Seilbahnen über urbane Kabelmobilität bis zu Sicherheitsausrüstung oder Ganzjahresfreizeitanlagen. Die Hersteller zeigen bereits heute, dass Design ein aktiver Bestandteil der Transformation der Seilbahnmobilität ist. |








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