Mountain Planet: Neue Territorien für Skisport und urbane MobilitätVon Kirgisistan bis Indien: Neue Territorien für Skisport und urbane Mobilität zeichnen die Landkarten des globalen Marktes für Berginfrastruktur und Seilbahntechnik neu Während die europäischen Skigebiete weiterhin investieren, um die ganzjährige Entwicklung der Berge zu begleiten – wie etwa die französischen Skigebiete, die 2024 insgesamt 568 Mio. €* investierten, was 34 % ihres Nettoumsatzes entspricht – richten die Unternehmen der Berginfrastruktur und des Seilbahntransports ihren Blick zunehmend auch auf weiter entfernte Chancen. Obwohl die geopolitische und klimatische Lage in einigen Teilen der Welt die Karten neu gemischt hat, eröffnen sich neue Märkte: für die Ausstattung neuer Skigebiete, die Entwicklung des Ganzjahrestourismus, urbane oder touristische Seilbahnsysteme – teils an unerwarteten Destinationen. Die Fachmesse Mountain Planet begibt sich auf eine Weltreise durch diese „emergenten“ Länder und stellt ausgewählte Projekte führender Akteure vor. Bevor wir globale Trends und Chancen beleuchten, werfen wir zunächst einen Blick auf Frankreich: Nach Brest, Toulouse und ganz kürzlich Ajaccio ist Créteil die vierte französische Stadt mit einem urbanen Seilbahnsystem. Das Câble C1 genannte erste urbane Seilbahnprojekt der Île-de-France wurde am 13. Dezember 2025 zwischen Créteil und Villeneuve-Saint-Georges eröffnet. Seit der Inbetriebnahme erfreut sich die erste urbane Seilbahn der Region großer Beliebtheit und verändert den Alltag tausender Einwohner des Départements Val-de-Marne. Die Fahrzeit zwischen Créteil und Villeneuve-Saint-Georges beträgt nun 18 Minuten in der Gondel statt zuvor 40 Minuten mit dem Bus. Alle 30 Sekunden fährt eine Kabine, bei einer erwarteten Kapazität von 11.000 Fahrgästen pro Tag. Hersteller der Anlage ist Doppelmayr France, eine Tochtergesellschaft der österreichischen Doppelmayr-Garaventa-Gruppe. (*Quelle: Montagne Leaders – www.montagneleaders.fr Laurent Vanat, internationaler Experte für die Ökonomie von Skigebieten und Autor des Weltberichts zum Schnee- und Bergtourismus, der jährlich den Zustand des Skisports weltweit analysiert, teilt seine Einschätzung zu globalen Markttrends im Ski-, Tourismus- und Urbanbereich: „Es entstehen weniger neue Skigebiete – oder sie entstehen in China, wo die Ausrüstung inzwischen lokal produziert wird, sowie in Russland, wo westliche Anbieter ausgeschlossen sind. In Schwellenländern (und auch anderswo) wendet man sich verstärkt urbanen oder touristischen Projekten zu, um die Zukunft vorzubereiten.“ Am 21. April 2026 um 10 Uhr wird Laurent Vanat zur Eröffnung der Messe Mountain Planet erstmals seinen neuen Jahresbericht über den weltweiten Skimarkt vorstellen (www.mountain-planet.com Resilienz der Akteure Politische Instabilitäten und der Klimawandel unterstreichen die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen im Bereich Berginfrastruktur. „Nach der beispiellosen Covid-Krise und den Kommunalwahlen 2021 wurden Investitionen verschoben, doch 2025–2026 sehen wir nun einen deutlichen Aufschwung aller Projekte. Der französische Markt ist extrem ausgereift“, erklärt Mehdi Caillis, Direktor für Public Affairs und urbanen Transport beim französischen Konzern MND. „Im Rahmen unseres neuen strategischen Plans werden wir uns stärker auf urbane Projekte konzentrieren – in Frankreich wie auch international.“ Asien „Der Seilbahnmarkt ist recht zyklisch. Es gab Phasen in Südamerika, dann in Asien – vor allem in China und Südkorea –, aber aktuell gibt es dort weniger Projekte“, stellt Mehdi Caillis fest. Nach spektakulären Anlagen wie Gondeln zur Chinesischen Mauer oder der längsten Dreiseilbahn der Welt (8 km) von Doppelmayr in Hon Thom (Vietnam) hat sich das Tempo verlangsamt. Nach Projekten nahe der Großen Mauer in Simatai oder Seilbahnen zu heiligen Stätten in Korea baut POMA nun ein urbanes Seilbahnsystem in Ulaanbaatar (Mongolei). Die erste Linie (ca. 4,2 km, 2 Stationen, 98 Kabinen) befindet sich im Bau; die Inbetriebnahme ist für etwa 2026 vorgesehen. Es handelt sich um die erste urbane Seilbahn des Landes, mit einem Investitionsvolumen von 30–50 Mio. €, vollständig elektrisch und geräuscharm. Zentral- und Westasien Laurent Vanat erklärt: „In dieser Region hört man regelmäßig von neuen Projekten, doch nicht alle werden realisiert – oder erst deutlich später. Kasachstan hat beispielsweise ein Projekt aus den frühen 2010er-Jahren wieder aufgenommen, das im Zuge einer Olympiabewerbung entstanden war. Hinzu kommen ein neues Skigebiet in Kirgisistan sowie ein neues Resort in Armenien – Myler, das dritte des Landes.“ Die österreichische Firma SUNKID, Weltmarktführer für Ganzjahres-Freizeitanlagen, installierte dort Förderbänder für Anfängerbereiche. „In Zentralasien gibt es große Projekte, aber die Bevölkerung ist kaum skiaffin“, so Vanat weiter, und verweist auf das hochmoderne Skigebiet Shahdag in Aserbaidschan mit geringer Auslastung. Max Rougeaux, Marketingverantwortlicher bei TechnoAlpin, ergänzt: „Zentralasien bietet interessantes Potenzial mit teils bedeutenden Projekten, die jedoch oft auf einzelne Tourismusstandorte abzielen und nicht Teil einer nationalen Wintersportstrategie sind.“ TechnoAlpin stattete Shahdag mit Beschneiungsanlagen aus. Seit 2025 läuft eine umfangreiche Erweiterung mit rund 140 zusätzlichen Schneekanonen und drei neuen Pumpstationen. Insgesamt wird Shahdag künftig über mehr als 550 Schneekanonen verfügen. Auch in Kasachstan wurde 2025 das Beschneiungssystem des Resorts Oi-Qaragai erweitert. In Usbekistan ist das Skigebiet Amirsoy – eines der größten und modernsten des Landes – ebenfalls mit TechnoAlpin-Technik ausgestattet, als erste Station des Landes mit Beschneiung. Der größte aktuelle Markt für MND ist Usbekistan: ein Auftrag über 100 Mio. € für das Skigebiet Chimgan, inklusive Sesselliften, einer kuppelbaren 10er-Gondel, Lawinensicherung, Freizeitattraktionen und automatischer Beschneiung. Chimgan soll sich zur führenden Ganzjahres-Bergdestination Zentralasiens entwickeln. Der kirgisische Staat treibt zudem das Großprojekt „Three Peaks / Drei Gipfel“ voran – das größte Skigebietsprojekt Zentralasiens. Mit 200–250 km Pisten, bis zu 36 Liftanlagen und Investitionen von rund 1 Mrd. US-Dollar ist eine schrittweise Umsetzung bis 2030–2035 geplant. Afrika Afrika weckt wachsendes Interesse für urbane Seilbahnprojekte. „Derzeit konzentrieren sich die Projekte vor allem auf Nordafrika, doch auch Länder wie Ruanda, Elfenbeinküste oder Senegal zeigen Interesse“, erklärt Mehdi Caillis. POMA realisierte 2025 die urbane Seilbahn in Antananarivo (Madagaskar) mit 8,7 km Länge und bis zu 40.000 Fahrgästen täglich. Touristische Projekte entstehen ebenfalls, etwa die Gondelbahn im Freizeitpark DianaLand in Agadir (Marokko), installiert 2023 von Doppelmayr. Auf La Réunion erlebt der Seilbahnverkehr einen Aufschwung. Nach dem erfolgreichen Papang-Metrocable (2022) baut MND nun die Linie ZÈL La Montagne, die erste weltweit energie-neutrale urbane Seilbahn, deren Inbetriebnahme für 2028 geplant ist. Südamerika und Karibik „Chile und Argentinien hatten 2024 eine gute Skisaison, aber es gibt nur wenige neue Investitionen“, so Laurent Vanat. Im urbanen Bereich ist der Kontinent Vorreiter: Medellín, Bolivien (10 Linien), Kolumbien und Mexiko zählen zu den dynamischsten Märkten. In der Karibik realisiert Doppelmayr aktuell auf der Insel Dominica die längste Gondelbahn der Welt (6,6 km) zum Boiling Lake. Naher Osten In Saudi-Arabien entstehen zahlreiche urbane und touristische Projekte. Das Megaprojekt NEOM und das Skigebiet Trojena, Austragungsort der Asiatischen Winterspiele 2029, werden trotz Kritik realisiert – inklusive Beschneiung mit entsalztem Meerwasser. Südasien – Indien Nach Kolumbien, Peru und China ist Indien der neue globale Hotspot für Seilbahntechnik – für urbane Mobilität wie auch für die Erschließung ländlicher und touristischer Bergregionen. Im Rahmen des nationalen Programms Parvatmala Pariyojana plant Indien bis 2030 über 200 Seilbahnlinien mit insgesamt 1.200 km Länge und einem Budget von mehr als 13 Mrd. €. Zu den aktuellen Projekten zählt die Seilbahn Shillong Peak, umgesetzt von POMA, mit geplanter Inbetriebnahme 2027. Für europäische Hersteller wie Doppelmayr, Leitner, Poma, MND Ropeways ist Indien damit zu einem Schlüsselmarkt geworden – dem künftig größten der Welt für urbane und touristische Seilbahnprojekte. Über Mountain Planet MOUNTAIN PLANET ist die weltweite Leitmesse für Berginfrastruktur und -industrie und findet alle zwei Jahre in Grenoble (ALPEXPO, Frankreich) statt. Die Ausgabe 2026 wird vom 21. bis 23. April 2026 ausgetragen und bringt über 900 Aussteller sowie mehr als 20.000 Fachbesucher aus 68 Ländern zusammen. |




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