seilbahn.net | Themenbereiche | Wirtschaft | 2026-04-21

35. TFA TourismusForum Alpenregionen in Lech am Arlberg – Der Berg verhandelt nicht. Wir schon.

Vom 13. bis 15. April 2026 war Lech am Arlberg Gastgeber des 35. TFA TourismusForums Alpenregionen. Rund 140 Entscheiderinnen und Entscheider der Bergbahn- und alpinen Tourismusbranche aus der Schweiz, Österreich, Deutschland und Südtirol trafen sich unter dem Leitthema «Der Berg verhandelt nicht – Realitätssinn im Tourismus der Zukunft» zu drei intensiven Forumstagen im Herzen des Arlbergs.

Provokanter Auftakt: Hat der Tourismus eine Zukunft?

Den Einstieg übernahm Tourismusökonom Prof. Dr. Thomas Bieger von der Universität St. Gallen mit einer bewusst provokativen These: «Den Tourismus braucht es nicht mehr» – zumindest nicht in der Form, wie wir ihn seit Jahrzehnten kennen. Die Frage, wie Bergbahnen ihre gesellschaftliche Legitimation erhalten können, zog sich als roter Faden durch den ersten Forumstag. Salome Meyer, Botschafterin der Schweiz in Österreich, eröffnete den inhaltlichen Reigen, bevor Vertreterinnen und Vertreter von Lech Zürs Tourismus und Kitzbühel Tourismus zeigten, wie sich alpine Klassiker strategisch neu erfinden.

Besonders eindrücklich war der Beitrag zum Gletscherabbruch und Bergsturz in Blatten im Lötschental: Fernando Lehner, Präsident der Aufbaukommission Blatten 2030, schilderte den Wiederaufbau aus den Trümmern – ein Beispiel für Resilienz unter extremen Bedingungen. Ebenfalls auf grosses Echo stiessen die Ausführungen zu passiven Thermosiphons am Piz Nair bei St. Moritz: Die messbare Veränderung der Permafrosttemperaturen bereits kurz nach der Einrichtung der Anlagen – bei aller logistischer Herausforderung auf fast 3300 Metern über Meer – verdeutlichte, wie dringend und zugleich aber auch wie lösbar technische Anpassungen an den Klimawandel sind.

Zwischen globaler Konsolidierung und lokaler Verankerung

Der zweite Forumstag stand im Zeichen von Strategie und Struktur. Benedicta Aregger von Seilbahnen Schweiz stellte den «Kompass Schnee» vor, gemeinsam mit Björn Luginbühl, stellvertretendem CEO der Bergbahnen Adelboden-Lenk, der konkrete Anpassungsstrategien für sein Skigebiet präsentierte. Die gemeinsame Botschaft: Skifahren ist auch 2050 möglich, aber anders. Mit weniger Talabfahrten, mehr technischer Beschneiung und einer konsequenten Entwicklung zur Ganzjahresdestination.

Ein offenes und vielbeachtetes Gespräch lieferte Reto Gurtner, Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats der Weissen Arena Gruppe. Nüchtern und direkt analysierte er das Spannungsfeld zwischen amerikanischen Marktgiganten wie Vail Resorts, die zunehmend in den Alpenraum drängen, und der Notwendigkeit robusterer, eigenständiger Geschäftsmodelle. Seine Haltung: Wer nicht aktiv gestaltet, wird übernommen – oder überholt.

Die Arlberger Region selbst lieferte dabei ein aufschlussreiches Fallbeispiel: Die Vielzahl eigenständiger Seillifte-Gesellschaften rund um Lech und Zürs – in der Schweiz kaum vorstellbar – zeigt, wie unterschiedlich die Strukturen im Alpenraum gewachsen sind. 

Dass Bike-Tourismus längst mehr ist als eine Sommeralternative zum Ski, zeigte das Gespräch zwischen Darco Cazin von Allegra Trails und Dominik Linser von der Bike Republic Sölden: Ein Gast lässt pro Tag in Graubünden mit dem Biken rund 304 Franken liegen, in Sölden sind es 240 Euro – davon fliessen nachweislich 23 Prozent direkt an die Bergbahnen. Zahlen, die für sich sprechen.

Innovationsexperte Gerriet Danz schloss den inhaltlichen Teil mit einem Plädoyer für mutige Anpassung: «Survival of the fittest» bedeute nicht das Überleben des Stärksten, sondern des Anpassungsfähigsten.

Lech am Arlberg als Gastgeber

Die Destination zeigte sich von ihrer besten Seite. Das Abendprogramm des ersten Tages führte die Teilnehmenden durch ein «Dine Around» in Oberlech – mit Vorspeise im Hotel Montana, Hauptgang im Hotel Burg und Dessert im Hotel Goldener Berg. Das Format sorgte für lebhafte Durchmischung und Begegnungen, die kein Konferenzsaal hätte erzeugen können. Am zweiten Abend lud die Rud-Alpe zum gemeinsamen Ausklang ein: Nach dem Aufstieg – teils noch durch Schnee – empfing die traditionsreiche Alpe die Gäste mit regionaler Küche und herzlicher alpiner Gastfreundschaft.

Nächstes TFA vom 8. bis 10. März 2027 in Gstaad

Bereits während des Forums konnte Roland Zegg gemeinsam mit Flurin Riedi, CEO von Gstaad Saanenland Tourismus, den nächsten Austragungsort bekanntgeben: Das 36. TFA TourismusForum Alpenregionen findet vom 8. bis 10. März 2027 in Gstaad im Berner Oberland statt.

Fazit

«Lech am Arlberg hat dem TFA einen würdigen Rahmen gegeben – und die Branche hat gezeigt, dass sie die harten Fragen nicht scheut. Das Bewusstsein für den Wandel ist da. Jetzt geht es darum, ihn aktiv zu gestalten, bevor der Berg es für uns tut», resümierte Roland Zegg, Gründer des TFA TourismusForum Alpenregionen.














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