seilbahn.net | Themenbereiche | Wirtschaft | 2026-06-29

Bergbahnen Kühtai: Baustart für alpine Innovation

Erste Säulen für „Kühtai Solar“ bereits gebohrt und gesetzt

Kein klassischer Spatenstich, sondern ein sichtbares Zeichen für alpine Energiezukunft: Mit dem Einbohren der ersten Säulen startet die sichtbare Umsetzung der PV-Freiflächenanlage „Kühtai Solar“ im Bereich Schwarzmoos oberhalb des Speicherteichs Kaisersee. Auf rund 2.350 Metern Seehöhe entsteht eine alpine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von rund 2.000 kWp. Das entspricht der Leistung von PV-Anlagen auf rund 850 Einfamilienhäusern. Bis Ende November soll das Projekt fertiggestellt sein. 

Die Anlage wird im bestehenden Schigebiet Kühtai errichtet und nutzt damit eine bereits erschlossene alpine Infrastruktur mehrfach. Geplant sind insgesamt 3.280 PV-Module, die auf 820 Rahmen montiert werden. Diese werden über Säulen im Boden verankert. Die Gründung erfolgt nicht über klassische Betonfundamente, sondern über ein Bohrverfahren mit vergleichsweise geringem Eingriff in den Boden. Die Bohrlöcher haben einen Durchmesser von 16 Zentimetern und eine Tiefe von bis zu 2,5 Metern. 

Patentierte Unterkonstruktion sorgt für mehr Winterstrom
 
Das Projekt setzt auf eine spezielle alpine Bauweise: Die PV-Module werden vertikal bzw. geländefolgend auf einer patentierten HTB-Unterkonstruktion montiert. Diese Bauweise ist auf die besonderen Anforderungen in hochalpiner Lage ausgelegt und soll unter anderem Vorteile bei Wind- und Schneelast, Winterproduktion und Bodeninanspruchnahme bringen. Die Module weisen eine Bodenfreiheit auf, wodurch die Konstruktion eine Kleintierweide zulässt. 

Die Bergbahnen Kühtai zeigen mit Kühtai Solar, wie alpine Photovoltaik technisch, ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll umgesetzt werden kann. Entscheidend ist, dass man eine Baustelle in dieser Höhenlage nicht mit Standardlösungen denken darf. Unser Partner HTB hat mit der patentierten Unterkonstruktion ein Referenzbeispiel für alpine PV-Anlagen, das als Leuchtturmprojekt klassifiziert worden ist, betont HTB-Geschäftsführer Dr. Andreas Nischler. 

Fundierte Planung als Basis für die Umsetzung

Neben der technischen Umsetzung spielte die frühzeitige Projektentwicklung eine entscheidende Rolle für den Erfolg von „Kühtai Solar“. Bereits in einer frühen Phase wurde das Vorhaben durch TINEXT, einem Tochterunternehmen der TIWAG mit umfassender Expertise im Bereich Photovoltaik, begleitet.

Auf Basis fundierter Vorstudien und eines darauf aufbauenden Planungskonzepts konnten die Bergbahnen Kühtai gezielt bei der strukturierten Entwicklung des Projektes unterstützt werden. Der Fokus lag dabei insbesondere auf der optimalen Integration der Anlage in die bestehende Infrastruktur sowie auf der Berücksichtigung der speziellen Anforderungen im hochalpinen Raum.

„Als TINEXT war es uns ein besonderes Anliegen, dieses innovative Projekt von Beginn an zu begleiten und unsere Erfahrung gezielt einzubringen. Gerade bei alpinen PV-Anlagen sind eine fundierte Vorarbeit und durchdachte Planung entscheidend für einen nachhaltigen Betrieb“, so Geschäftsführer Ing. Dr. Andreas Burger.

Energieproduktion vor Ort, wo er benötigt wird

Ein zentrales Argument für den Standort ist die außergewöhnlich hohe solare Einstrahlung von mehr als 1.500 kWh/m² pro Jahr und damit auf die höchste ausgewiesene Standortkategorie. Erwartet wird ein Jahresertrag von rund 2,9 GWh. Mit diesem Ertrag könnten rund 850 Haushalte das ganze Jahr über mit Strom versorgt werden. 

Besonders relevant ist dabei die Energieproduktion in den Wintermonaten. Im Gegensatz zu klassischen PV-Anlagen soll „Kühtai Solar“ aufgrund der alpinen Lage und der besonderen Bauweise einen deutlich höheren Anteil der Jahresproduktion im Winter liefern. Damit entsteht erneuerbare Energie genau dann, wenn der Bedarf im Skigebiet besonders hoch ist. 

„Für uns ist Kühtai Solar ein konsequenter Schritt in Richtung nachhaltiges Skigebiet. Wir erzeugen künftig erneuerbaren Strom dort, wo wir ihn auch einsetzen können. Das stärkt unsere Eigenversorgung, nutzt bestehende Infrastruktur sinnvoll und zeigt, dass alpine Tourismusregionen aktiv Verantwortung für ihre Energiezukunft übernehmen können“, erklären Bergbahnen-Geschäftsführer Mag. Philip Haslwanter und Prokurist Willi Mareiler. 

Nachhaltigkeit auch in der Errichtung

Auch die Baustellenabwicklung wird möglichst ressourcenschonend gestaltet. So ist der Einsatz eines batterie-elektrischen Baggers fixiert. Ein Holzcontainer sowie eine optimierte Baustellenlogistik runden die Baustelle ab. Ziel ist es, nicht nur das fertige Projekt, sondern auch die Umsetzung selbst so nachhaltig wie möglich zu gestalten. 

Beim Ausbau erneuerbarer Energie in Kühtai ist der Eingriff in die Natur so gering wie möglich gehalten. So werden bestehende Wege- und Leitungsinfrastruktur genutzt. Mit dem Einbohren der ersten Säulen beginnt nun die sichtbare Umsetzung eines Projekts, das technische Innovation, regionale Energieproduktion und nachhaltige Weiterentwicklung des alpinen Tourismus miteinander verbindet. „Kühtai Solar“ soll damit nicht nur Strom liefern, sondern auch zeigen, wie bestehende touristische Infrastruktur künftig Teil der Energiewende werden kann.



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