Markus Redl: 15 Thesen zur Zukunft des BergtourismusKlimawandel & Ganzjahrestourismus 1. Bergorte als Zufluchtsorte: Bergorte werden über den Skitourismus hinaus mehr und mehr für Gäste attraktiv, die Nebel, Hitze oder Lärm im Tal „entfliehen“ wollen. Die relative Kühle und der (noch bestehende) Wasserreichtum sind starke Magnete. 2. Flexibler Ganzjahresbetrieb: Der Hybridbetrieb mit Angeboten, die den Schneesport ergänzen, wird immer ausgefeilter. Er kann immer flexibler je nach Wind, Wetter und Schneelage ausgestaltet werden. 3. Kanalisierung der Gästeströme: Das Prinzip der Skigebiete, sehr viele Besuche auf einer relativ kleinen Fläche zu organisieren, wird auch in anderen Saisonen sowie für nicht skifahrende Gäste im Winter angewandt. Erlebnisse werden durch Infrastrukturen wie Wege stark vorstrukturiert. Schnee- & Risikomanagement 4. Effizientere Beschneiung: Die beschneite Fläche wird an den meisten Standorten (und kumuliert betrachtet) kleiner, die produzierte Schneemenge tendenziell größer. Die wasserrechtlichen Konsensmengen bleiben zumindest gleich. 5. Mehrfachnutzung von Ressourcen: Speicherteiche der Skigebiete erfüllen zunehmend auch Funktionen in der Almwirtschaft oder dienen als Löschwasserreservoir. Selbst die Nutzung als Pumpspeicher wird mehr und mehr gebräuchlich. 6. Finanzielle Absicherung: Mit einer Art Ausfallsfonds oder ähnlichen Instrumenten wird für den Fall vorgesorgt, dass Skigebiete durch Extremwettereignisse nicht oder nur sehr eingeschränkt in den Winterbetrieb gehen können. Nachwuchs & Erlebnisse 7. Urbane Nachwuchspflege: In der Nachwuchspflege kombinieren Ausbildungskonzepte Trockenpisten unmittelbar in der Stadt mit gut erreichbaren Schneeangeboten. Die parkartige Sportinfrastruktur funktioniert mit und ohne Schnee. 8. Gemeinschaft durch Events: Das gemeinsame Erlebnis durch Sport- und Kulturveranstaltungen gewinnt gerade auch am Berg an Bedeutung, besonders für Kinder und Jugendliche. Neue Eventformate entstehen, die soziale Zugehörigkeit vermitteln. Digitalisierung & Lenkung 9. KI-gestützte Reiseplanung: Alle für Gäste relevanten Daten werden so bereitgestellt, dass Künstliche Intelligenz den Urlaub und die Freizeit am Berg nach individuellen Bedürfnissen empfehlen, planen und auch buchen kann. 10. Kontingentierung als Standard: Das Prinzip der Kontingentierung wird zur Auslastungsoptimierung in Skigebieten angewandt, aber auch auf andere Bereiche ausgedehnt – beispielsweise auf stark nachgefragte Übungsloipen oder Klettersteige. Infrastruktur & Mobilität 11. Smarte Mobilitätslösungen: Mobilitätslösungen zum und am Berg werden kundenfreundlicher, die verschiedenen Träger besser aufeinander abgestimmt. Dadurch wird auch die An- und Abreise mittels ÖPNV attraktiver. 12. Neues Parkraummanagement: Parkflächen für den Individualverkehr werden kleiner und fallweise durch Parkgebäude mit weniger Flächenbedarf ersetzt. Parkplätze können teilweise rückgebaut oder auch als Campingstellplätze (mehrfach) genutzt werden. Kooperationen, Wirtschaft & Modelle 13. Public-Private-Partnerships: PPP-Modelle werden mehr und mehr die Regel. Die öffentliche Hand übernimmt die bergtouristische Infrastruktur und lässt diese teilweise durch Private betreiben. 14. Integrierte Destinationen: Die verschiedenen Anbieter am Standort schließen sich zu Kollektiven zusammen und sind viel stärker integriert. Selbst bei unterschiedlichen Eigentümern wird wie nach dem Ressortprinzip gearbeitet. 15. Einzug des „Epic Pass“-Modells: Das Geschäftsprinzip von Vail Resorts wird (von wem auch immer) in Europa umgesetzt. Dazu werden sogenannte Feeder-Skigebiete in der Nähe der Metropolen zusammengekauft und über das Äquivalent des Epic Pass betrieben. |



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