seilbahn.net | Themenbereiche | Seilbahnen | 2026-10-04

Hannah Philomena Scheiber verwandelte die Stützen zweier Gletscherbahnen in monumentale Kunstwerke

Was bleibt, wenn der Gletscher geht

Auf 3.440 Metern, zwischen Fels, Eis und Himmel, arbeitete Künstlerin Hannah Philomena Scheiber monatelang freihängend am Seil, um die Stützen zweier Seilbahnen in monumentale Kunstobjekte zu verwandeln – jene der Wildspitzbahn am Pitztaler Gletscher, der höchstgelegenen Seilbahn Österreichs, und jene der Karlesjochbahn am Kaunertaler Gletscher, am Dreiländereck von Österreich, Italien und der Schweiz.

Was sonst im geschützten Raum eines Ateliers entsteht, verlagerte Scheiber mitten in die alpine Landschaft, auf die Außenhaut technischer Infrastruktur, mehrere hundert Meter über dem Talboden. Gesichert am Seil und unter wechselnden Wetterbedingungen bearbeitete sie über Monate hinweg die Stahl- und Betonstützen der beiden Bahnen. Wind, Kälte und die Arbeit in großer Höhe machten jeden einzelnen Arbeitsschritt zur Herausforderung.

Kunst ist das, was bleibt, wenn der Gletscher geht

Bereits seit 15 Jahren beschäftigt sich Scheiber künstlerisch mit dem Spannungsfeld zwischen Naturraum und menschlichem Eingriff; am Gletscher selbst, wo dieser Wandel sichtbar und messbar ist, bekommt die Arbeit eine zusätzliche, unmittelbare Dringlichkeit.

Der Standort des künstlerischen Projekts ist dabei kein Zufall: Der Gepatschferner, an dem beide Gletscherregionen liegen, ist der flächenmäßig größte Gletscher Österreichs und wie viele Gletscher der Alpen zunehmend von Rückgang und Abschmelzen geprägt.

„Wo die Natur ihre Spuren hinterlässt, setzt diese künstlerische Intervention ein Zeichen, zwischen Vergänglichkeit und Ewigkeit“, fasst Scheiber zusammen.

Österreichs höchste Seilbahn und Eventlocation

Die Kunst endet jedoch nicht an den Seilbahnstützen, sondern ermöglicht in der Bergstation der Wildspitzbahn auf 3.440 Metern Seehöhe einen zweiten Zugang. Dort sind weitere Arbeiten von Hannah Philomena Scheiber zu sehen. Wer die Werke an den Seilbahnstützen nicht direkt erleben kann, bekommt hier einen zusätzlichen Einblick in das Schaffen der Künstlerin – mitten in der Gletscherlandschaft und weit über dem Tal.

Für Beate Rubatscher-Larcher, Geschäftsführerin der Pitztaler Gletscherbahn, liegt gerade in diesem ungewöhnlichen Ort eine besondere Qualität: „Kunst kann unseren Blick verändern. Gerade am Gletscher treffen Natur und menschliche Gestaltung unmittelbar aufeinander. Die Infrastruktur wird selbst zur Leinwand – und eröffnet damit einen anderen Blick auf den Berg, auf Veränderung und auf unsere Verantwortung für die alpine Zukunft.“

Damit wird die Bergstation zum höchsten Schauplatz für Begegnung, Kunst und Kultur in Österreich und setzt die Auseinandersetzung mit Landschaft, Veränderung und menschlichem Eingriff fort.

Über Hannah Philomena Scheiber

Hannah Philomena Scheiber, geboren 1991 in Tirol, lebt und arbeitet im Ötztal. Von 2011 bis 2016 studierte sie an der Universität für angewandte Kunst Wien, wo sie 2016 ihr Diplomstudium abschloss. 2014 führte sie ein OEAD-Stipendium an die Accademia di Belle Arti in Florenz (Italien). Im Jahr 2016 zog Scheiber nach New York (USA) und setzte ihre Ausbildung an der School of Visual Arts (SVA) im Studienbereich „Design for Social Innovation“ bei Jerry Saltz und Stefan Sagmeister fort. 2021 erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Landes Tirol. Seit 2024 lehrt sie „Kunst & Gestaltung“ an der KPH Edith Stein.

Im Mittelpunkt von Scheibers künstlerischem Schaffen stehen die Themen Menschsein, Heimat und Natur. Wasser, Gletscher und alpine Landschaften sowie die Vergänglichkeit der Natur prägen ihre Arbeit seit mehr als einem Jahrzehnt. Dabei bewegt sie sich zwischen Abstraktion und Realismus und setzt sich immer wieder mit der Verletzlichkeit der Gletscher, dem Wandel der alpinen Landschaft und den Spuren menschlichen Eingreifens auseinander. Mit den Arbeiten an den Gletscherbahnen verlässt Scheiber wieder einmal die klassische Leinwand: Die Landschaft selbst wird zum Bildträger.

Scheibers Arbeiten wurden in Galerien und Museen im gesamten DACH-Raum, in Italien und den USA präsentiert. Ihre Werke befinden sich in renommierten privaten und institutionellen Sammlungen, darunter in den Mountain Museums von Reinhold Messner. Zu ihren Sammlerinnen und Sammlern zählen unter anderem Marina Hoermanseder und DJ Ötzi. 

Weitere Informationen auf https://hannahphilomena.art/









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