Günther Aigner: Studie Technische Beschneiung in ÖsterreichWasserbedarf, Energieverbrauch und CO2-Emissionen,Analyse Eine neue Studie (01, siehe Quellenverzeichnis) von Forschern der Universität Innsbruck und der Hochschule München bringt anhand folgender Fragestellungen harte Daten und Fakten in eine jahrzehntelang von Annahmen und Emotionen dominierte Diskussion: Wie viel Wasser und elektrischen Strom benötigt die technische Beschneiung? Und wie viel CO2 emittiert sie? Die Frage nach den Emissionen ist deshalb brisant, weil die Beschneiung die zentrale Anpassungsstrategie des Skitourismus an die Klimaerwärmung darstellt. Somit steht der Vorwurf im Raum, dass der Klimawandel durch die Emissionen aus der Beschneiung erst recht angeheizt werden würde. Die Abbildung 1 veranschaulicht die Erwärmung der Winter am Hohen Sonnblick über die letzten 140 Jahre (02). Die Trendlinie zeigt eine Erwärmung um 1,7 Grad Celsius pro 100 Jahre an (siehe dazu im Chart die Formel der linearen Regression) – das sind in 140 Jahren etwa 2,4 Grad. Der damit einhergehende Anstieg der Schneegrenze (06) und die Verkürzung der Winter werden von den Skigebieten durch die Beschneiung kompensiert. Obwohl die Beschneiung sowohl in der Wissenschaft als auch in den Medien Gegenstand kontroverser Debatten ist, gab es bislang weltweit keine einzige auf Umfragen unter Skigebieten basierende Studie zu deren Ressourcenverbrauch und CO2-Emissionen. Also fassten wir (Robert Steiger, Marius Mayer und Günther Aigner) den Entschluss, das zu ändern. Wir entwickelten einen Fragebogen, kontaktierten alle österreichischen Skigebiete und erhielten von 30 Skigebieten Daten in ausreichender Qualität. Diese Stichprobe repräsentiert 17,8 Millionen Skifahrertage (Skier Visits bzw. Erstzutritte) und damit etwa 34 % des österreichischen Skitourismusvolumens. Ergebnisse aus der Hochrechnung für alle österreichischen Skigebiete
Ergebnisse aus dem Sample
Einflussfaktoren auf die Intensität der Beschneiung Wovon hängt es ab, wie viel beschneit wird? Unter allen Einflussfaktoren auf den Ressourcenverbrauch der Beschneiung scheint die Größe des Skigebiets dominierend zu sein. Je größer ein Skigebiet, desto höher sind Wasser- und Energieeinsatz pro Hektar Pistenfläche. Dies liegt vermutlich daran, dass größere Skigebiete finanziell besser aufgestellt sind und sich eine üppigere Beschneiung leisten können. Hingegen spielt die Höhenlage der Skigebiete überraschenderweise keine entscheidende Rolle: Pro Hektar Pistenfläche wird auf höher gelegenen Skigebieten im Mittel ähnlich viel beschneit wie in tiefer gelegenen. Die CO2-Emissionen der Beschneiung von 130 Gramm pro Skifahrertag entsprechen einer Autofahrt von etwa 0,9 km mit einem Benzin- oder Diesel-Pkw (03). Daraus wird ersichtlich, dass die CO2-Emissionen aus der Beschneiung im Vergleich zur Reisetätigkeit der Gäste hin zu den Skigebieten (und wieder zurück) sehr gering ausfallen. Der Strombedarf der Beschneiung wurde in der wissenschaftlichen Diskussion für Österreich bislang in einer Spanne von 355 bis 950 GWh vermutet (04). Die von uns berechneten 280 GWh liegen deutlich darunter. Geht man davon aus, dass ein durchschnittliches Elektroauto etwa 22 kWh pro 100 km verbraucht (05), reicht der für die Schneeproduktion eines Skifahrerbesuchs benötigte Strom für eine Fahrt von 25 km. Der Wasserumsatz der Beschneiung scheint höher zu sein als bisher vermutet wurde. In diesem Zusammenhang darf allerdings nicht vergessen werden, dass das Wasser für die Beschneiung lokal entnommen und beim gesamten Prozess weder verbraucht noch verschmutzt wird – in Österreich sind Zusätze in das Schneiwasser gesetzlich verboten. Der Wasserumsatz der Beschneiung gleicht damit einer Kreislaufwirtschaft. Nutzen der Studie für die Gesellschaft bzw. Handlungsempfehlungen Die Ergebnisse unserer Studie sollen den Skigebieten als Branchen-Benchmark und als Richtschnur für zukünftige Ressourceneinsparungen dienen. Dem öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurs wollen wir ein Fundament aus soliden Daten liefern, den Behörden und Gesetzgebern belastbare Fakten. Mit unserem Paper wollten wir eine umstrittene Debatte zur Klimawandelanpassung neu kalibrieren und objektivieren. Wir haben versucht, den Boden der Diskussion von Annahmen, Modellen sowie groben Schätzungen zu befreien und durch einen groß angelegten, auf einer Befragung von Skigebieten basierenden Datensatz zu verstärken. Die Beschneiung ist längst alternativlos geworden. Wir müssen davon ausgehen, dass es in den nächsten Jahren und Jahrzehnten keinen prosperierenden Skitourismus ohne Beschneiung geben wird. Vor diesem Hintergrund regen wir an, unsere Ergebnisse als Beitrag zu einem möglichst ökologischen und nachhaltigen Skitourismus zu lesen. Quellen Die Studie im Original: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09669582.2026.2656746 |



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